Aktuell

Videobeweis mit Zukunft

Man musste das Schlimmste befürchten. An der praktischen Umsetzung des Videobeweises scheiterten in der vergangenen Saison schon die professionell ausgebildeten Schiedsrichter in der Bundesliga krachend: gefühlt endlose Unterbrechungen, in der Halbzeitpause ausgeführte Elfmeter, totale Konfusion bei der Anwendung, Rätselraten bei den Fans in den Stadien, was da gerade entschieden worden ist. Wie sollte das erst bei der WM werden, wenn Unparteiische aus Iran oder Sambia mit einer Schulung im Crashkurs das technische Hilfsmittel an die Hand bekommen würden?

Die Sorgen haben sich nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: Die Premiere beim Turnier in Russland demonstrierte mit Nachdruck, dass der Videobeweis eine Zukunft im Fußball haben kann – wenn er zurückhaltend und transparent eingesetzt wird.

Als segensreich hat sich vor allem die Entscheidung der Fifa erwiesen, die strittigen Szenen auf den Videowürfeln in den Arenen zu zeigen. Nur so kann die Akzeptanz des Videoassistenten bei den Fans gesteigert werden. Und dass die Assistenten vor den Bildschirmen – im Gegensatz zu mancher Bundesliga-Partie – nicht bei jeder 50:50-Situation intervenierten, war im Sinne des Sports ebenso absolut förderlich.

Generell haben die Schiedsrichter bei dieser WM – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – einen guten Job gemacht. Nicht nur die Anwendung des Videobeweises, sondern auch die großzügige Auslegung, was noch als harter Zweikampf durchgeht und was schon ein Foul ist, dient als Vorbild für die Bundesliga.

Zum Thema