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Gruppe H Robert Lewandowskis WM-Debüt mit Polen verläuft beim 1:2 gegen Senegal ganz anders als erhofft

Zum Trost bleibt nur ein Kuss

Archivartikel

Moskau.Restlos enttäuscht trottete Robert Lewandowski Richtung Haupttribüne, wo seine Anna schon auf ihn wartete. Der Superstar des FC Bayern München brauchte nach dem kapitalen WM-Fehlstart der polnischen Fußball-Nationalmannschaft viel Trost, und so gab es von seiner ganz in rot und weiß gekleideten Frau einen liebevollen Kuss. Erste Aufbauhilfe nach einer WM-Premiere, die sich Lewandowski ganz anders vorgestellt hatte. Nach dem 1:2 (0:1) gegen Senegal droht dem Favoriten in Gruppe H das frühe Aus. Es wäre eine weitere Enttäuschung für den Bundesliga-Torschützenkönig, nach den bitteren Pleiten mit den Münchnern in der Champions League und im DFB-Pokal.

„Solche Dinge dürfen bei der WM nicht passieren. Es fehlte die Kommunikation. Wir haben Senegal zwei Geschenke gemacht. Wir haben nicht so gespielt, wie wir es eigentlich können“, haderte Lewandowski und fügte mit Blick auf das „Endspiel“ gegen Kolumbien hinzu: „Beim zweiten Spiel werden wir anders spielen, dann werden wir besser spielen. Wir haben keine Wahl.“

Die polnischen Fans quittierten die Leistung jedenfalls mit einem Pfeifkonzert, auch Lewandowski enttäuschte vollends. Bis auf einen Freistoß (50.) hatte der Stürmer keine Torchance.

„Wir wussten viel über Senegal, hatten einen Plan. Pläne sind aber eine Sache, die Umsetzung eine andere. Wir hatten viel Ballbesitz, was zählt ist aber das Ergebnis. Wir haben schlecht gespielt“, analysierte Nationaltrainer Adam Nawalka. Die „Löwen von Teranga“ um Liverpools Topstar Sadio Mané feierten dagegen 16 Jahre nach ihrer ersten Endrunden-Teilnahme mit wilden Tänzen ihr tolles WM-Comeback. Auch Staatschef Macky Sall gab sich auf der Tribüne nach dem ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft im fünften Auftritt bei dieser WM ganz dem Freudentaumel hin. „Ganz Afrika unterstützt uns. Sie sind stolz auf uns und wir sind stolz“, sagte Trainer Aliou Cisse. „Wir haben ein großartiges Spiel gemacht. Wir verdienen das Glück“, sagte der zum besten Spieler der Partie gewählte M’Baye Niang.

Ein Eigentor des Polen Thiago Cionek, der einen Schuss von Idrissa Gana Gueye abfälschte (37.), brachte die Senegalesen in einer mäßigen Partie vor 44 190 Zuschauern in Führung. Niang nutzte dann in der 60. Minute einen schweren Abwehrpatzer zum 2:0, als er einen fatalen Rückpass von Grzegorz Krychowiak am herausstürzenden Torwart Wojciech Szczesny vorbei spitzelte und ins leere Tor traf.

Krychowiaks Anschluss zu spät

Niang war gerade von einer Behandlung am Spielfeldrand zurückgekommen, was Nawalka monierte: „Das war sehr kurios. Ich denke meine Spieler waren überrascht und dachten, dass es ein Einwechselspieler ist.“ Der Schiedsrichter hatte aber Niang das Okay zur Rückkehr auf den Platz gegeben.

Krychowiaks Anschlusstor per Kopf (86.) kam zu spät. „Wir müssen unsere Schlüsse daraus ziehen und analysieren. Ich bin überzeugt, dass Polen wieder zurückkommt“, sagte Nawalka.

Auch erfahrenen Leistungsträgern wie dem Wolfsburger Jakub Blaszczykowski, der mit seinem 100. Länderspiel den legendären Stürmer Grzegorz Lato einholte, fiel bei den Polen lange nichts ein. Zur Pause musste Blaszczykowski angeschlagen seinen Platz für Jan Bednarek räumen. Es wurde aber kaum besser.