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Mutmaßliche Wolfshaare stammen von einem Hund

Archivartikel

Binau/Frankfurt.Die im Neckar-Odenwald-Kreis gefundenen mutmaßlichen Wolfshaare stammen in Wirklichkeit von einem Hund. Das hat eine Genuntersuchung ergeben, wie das baden-württembergische Umweltministerium am Dienstag mitteilte. Die Haare waren am 17. Februar bei Binau gefunden worden. Ursprünglich war vermutet worden, dass die Haare von dem Wolf stammen, der in der Gegend auf privaten Videoaufnahmen gesichtet worden war.

Die Fachleute der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) gehen mittlerweile davon aus, dass es sich bei dem gesehenen Wolf um den gleichen handelt, der am 18. Februar auf der Autobahn 6 bei Öhringen (Hohenlohekreis) überfahren worden war. Anhand eines Chips konnte man feststellen, dass das überfahrene Tier Mitte Januar aus einem Wildpark in Nordhessen ausgebrochen war.

Gen-Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Wölfe und Hunde weitaus seltener gemeinsamen Nachwuchs haben, als mitunter behauptet wird. Das geht aus der genetischen Untersuchung von Proben hervor, mit denen sich die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung im Rahmen des Wolfsmonitoring befasst. "Hybridisierung ist ein seltenes Ereignis", sagte Carsten Nowak, der Leiter des Genetischen Referenzzentrums, am Dienstag in Frankfurt. Als "Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf" untersuchen die Senckenberg-Wissenschaftler seit 2010 jährlich hunderte Wolfsproben mit genetischen Methoden und haben nach Angaben Nowaks mittlerweile mehr als 10 000 Analysen durchgeführt.

Dank des "genetischen Fingerabdrucks", der aus Kot, Haaren und Speichelspuren an gerissenen Tieren genommen werden konnte, wurden bisher 1154 genetische Profile von in Deutschland lebenden Wölfen erfasst. Nach den aktuellen Zahlen für die Jahre 2017/2018 gibt es nach Angaben der Wissenschaftler in Deutschland 107 Wolfsterritorien und 73 Rudel. Aus der Datenanalyse gehe hervor, dass die Hybridisierungsrate, also die Zahl der nachgewiesenen Mischlinge von Wölfen und Hunden, unterhalb von einem Prozent liege. "Wölfe sind tatsächlich Wölfe", sagte Nowak.

Die Untersuchungsergebnisse ermöglichen Rückschlüsse auf die Herkunft der Tiere und liefern Informationen zur Verwandtschaft, zu den Verursachern von Nutztierrissen und Rudelanzahl. Der Nachweis von "reinen" Wölfen ist unter anderem dann wichtig, wenn es um den Umgang mit Tieren geht, die etwa Schafe oder andere Nutztiere gerissen haben. "Wölfe sind streng geschützt, Hybriden nicht", sagte Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger.

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