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Andere Länder, andere Sitten?

Archivartikel

Feier: Martinsbrauch in Europa

Ganz traditionell wird in Deutschland am 11. November eine Martinsgans aufgetischt. Doch wie ist das in anderen Ländern? In Dänemark feiert man den sogenannten „Mortens aften“ (Mortens Tag). Was die Martinsgans in Deutschland ist, heißt dort „Mortens And“ (Mortens Ente). Mortens Tag ist am 11. November, aber der Gänsebraten wird traditionell am Abend des 10. November (Mortens aften) gegessen. Oft wird auch ein Entenbraten serviert, der typischerweise mit Äpfeln, Zwetschen, karamellisierten Kartoffeln und brauner Soße zubereitet wird.

Ach in England, Schottland und Irland kennt man einen Martinstag – den Saint Martin’s Day. Im Mittelalter feierte man den Namenstag des St. Martin als den Beginn des Winters. Dabei wurden alle Tiere geschlachtet, die den Winter nicht überleben würden und als Vorräte für die kommenden Monate gelagert. In Irland war es außerdem üblich, ein Tier, meist ein Schwein, zu opfern und ein paar Tropfen des Blutes in den Ecken des Hauses und auf die Türschwelle zu streuen, um böse Geister abzuhalten und ein gutes Erntejahr zu verheißen. Heute wird kein Blut mehr verteilt, jedoch gibt es in Irland immer noch am 11. November traditionell Schweinebraten.

Einen Braten sucht man in Polen am Martinstag jedoch vergeblich. Hier werden stattdessen süße Croissants gebacken. „Rogal swietomarcinski“ (Posener Martinshörnchen), die traditionellen, mit Mohn, Datteln, Feigen und anderen leckeren Sachen gefüllten Hörnchen, sind in bestimmten Regionen Polens die auserwählte Speise. Beachtet werden muss jedoch: Nur spezielle Bäcker dürfen dieses traditionelle Gebäck mit bestimmten Zutaten herstellen. Seit etwa 1850 werden die Croissants zu St. Martin an arme und bedürfte Menschen verteilt. red