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Rückzug nach 83 Jahren

Archivartikel

Modehaus Winkler: Eine Erfolgsgeschichte geht zu Ende

Nach einer über 83-jährigen Geschichte, in der mittlerweile dritten Generation, wird das Modehaus Winkler in der Viernheimer City Mitte November für immer seine Pforten schließen. Ein Schritt, der Inhaber Stefan Hoock und seinem Team sehr schwer fällt. Leider lässt aber die Entwicklung der vergangenen Jahre keine andere Möglichkeit mehr zu. Deshalb haben sie sich entschlossen, den kontrollierten Rückzug anzutreten, bevor sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen würden.

In den vergangenen Jahren wurde der Markt härter, und das Kundenverhalten hat sich stark verändert. Der Konsument erwartet von einem Standort Vielfalt und Erlebnis. Leider können dies Kleinstädte nicht mehr erfüllen. Die Anzahl der Geschäfte und das damit einhergehende Angebot wurde immer weniger, und dem Kunden kann immer weniger Kaufatmosphäre geboten werden. Das Modehaus hat stets versucht durch individuelle Aktionen und persönliche Ansprache dem entgegenzu wirken. Doch der Erfolg ist rückläufig. Neue Kundenwege und neue Angebotsformen locken immer mehr in die Zentren am Rande der Stadt und in das Internet. Bequemlichkeit rückt vor das Kauferlebnis wodurch, es in der Stadt immer ruhiger wird.

"Natürlich werden die Verantwortlichen in den nächsten Wochen hören, dass es sehr schade ist, wenn immer mehr traditionelle Einzelhändler verschwinden. Das stimmt. Aber ein Einzelhändler lebt nun mal vom Handel, das heißt vom Umsatz" sagt Stefan Hoock. Nur davon können der Wareneinkauf, die Miete und das Personal bezahlt werden. "Vom Ansehen schöner Schaufenster und vom Argument schön dass es solche Geschäfte noch gibt, kann leider kein Geschäft überleben", sagt Hoock. Die Kundentreue macht es nun mal aus.

Sicher kann ein kleines Geschäft nicht die riesige Auswahl eines mehrere Tausend Quadratmeter großen Centers bieten, aber dafür war es immer ein persönlich ausgesuchtes Sortiment. Zudem kann es nicht immer alles das bieten, was man gerade sucht.

Mit diesem schweren Schritt trägt die Geschäftsleitung der Veränderung in der Handelslandschaft und im Kundenverhalten Rechnung. Die Gespräche in den nächsten Wochen werden sicher auch nicht immer einfach sein, dessen ist sich das Team bewusst. "Wir stellen uns aber gerne dieser Verantwortung und würden sich freuen im Räumungsverkauf, der am 4. Oktober startet, viele Kundinnen nochmals zu sehen", sagt Hoock.

Das gesamte Team steht mit Einsatzkraft und Elan für die letzten Wochen des Modehauses Winkler zur Verfügung. red