Sonderthema

Trends in der Bestattungskultur

Archivartikel

Rituale: Immer mehr Bestattungsformen und Wahlmöglichkeiten / Bestatter helfen, das Passende auszuwählen

Vor ungefähr 20 Jahren war die Erdbestattung in einem Wahlgrab die dominante Bestattungsform. Zu einer Beerdigung sprach ein Pfarrer tröstende Worte und das Grab erhielt ein von einem Steinmetz gefertigtes Grabmal. In den vergangenen Jahren haben die Bestattungskultur und der Umgang mit der Trauer erhebliche Veränderungen erfahren.

Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, nennt das einen "Wandlungsschub". Eine gewachsene Vielfalt unterschiedlicher Angebote von Bestattungsformen eröffnet individuelle Wahlmöglichkeiten, die nicht selten von den überlieferten Traditionen abweichen. Getrauert wird heute nicht mehr nur konkret in Tränen und emotionaler Ergriffenheit, sondern auch im Internet. QR-Codes auf Grabsteinen können auf die Lebensgeschichte des Verstorbenen im virtuellen Raum verweisen und erhalten zugleich einen konkreten Ort der Trauer an einem Grab. "Hier gehen neue Trends und gewachsene Formen der Trauer am Grab eine gute Verbindung ein", so Wirthmann.

Andererseits ist eine Sinnentleerung von Riten und Bräuchen im Umfeld von Bestattung und Trauer festzustellen. Diese Entwicklung stellt auch die Kirchen vor neue Herausforderungen, wenn beispielsweise Gebete und Riten nur noch von einer kleinen Zahl von Trauergästen verstanden werden. "Die schnellere Lebenspraxis ist es, die sich auf die Bestattungskultur auswirkt, sagt der Theologe. "Wir haben eine größere Mobilität der Familienstrukturen, die oft weit verstreut leben. Deswegen suchen Menschen auch nach einer Grabform, die dem entspricht.

Das erkläre den Trend zur Feuerbestattung. Die Urne bietet verschiedene Formen, die das Erdgrab nicht ermöglicht. Doch: "Verstorbene sollen nicht in diese Mobilität einbezogen werden", fordert Wirthmann. Grabeskirchen, Kolumbarien, verschiedene Varianten auf dem Friedhof bis hin zum Verstreuen (wenn es die Friedhofsatzung erlaubt) und Bestattungen in Naturräumen sind möglich. "Gerade das Verstreuen birgt jedoch große Probleme", sagt Wirthmann. "Es gibt keinen speziellen Ort, an dem Angehörige trauern können. Es ist ein Aufgehen im Nichts, was der Hochschätzung der Individualität eines Menschen widerspricht." Ruhefristen auf Friedhöfen werden oft nur einmal in Anspruch genommen und nicht verlängert. "Das führt dazu, dass Identitätsorte für Familien und Menschen verloren gehen. Die Ex- und Hopp-Mentalität wirkt sich auch hier aus."

Menschen geben heute - teilweise notgedrungen, teilweise bewusst - weniger Geld für eine Bestattung aus. "Deshalb findet sie in manchen Fällen nicht mehr in einem würdigen Rahmen statt. Tod und Sterben sind auch in unserer offenen Gesellschaft noch immer ein Tabuthema, deshalb wissen viele Menschen nicht, was eine Bestattung kostet und haben in dieser Hinsicht kein Preisgefühl", erklärt Oliver Wirthmann. Positiv bemerkt der Trauer-Experte allerdings, dass Trauer unkonventionellere Formen annimmt, die Menschen sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie trauern. "Der soziale Druck hat abgenommen. Bei der Vielfalt der Formen merkt man, dass die kirchliche Beteiligung noch immer wichtig, aber bei weitem nicht mehr selbstverständlich ist." Es findet eine Verschiebung zum "Diesseits", zum weltlichen Leben statt. "Das erklärt auch, weshalb in einigen Fällen geringerwertige Waren im Rahmen der Bestattung gewählt werden. Das diesseitige Leben spielt eine größere Rolle als früher, als man noch intensiver an ein Leben nach dem Tod glaubte." Er empfiehlt: "Man sollte sich immer die Frage stellen, ob die Bestattung zu dem Leben des Verstorbenen passt und ihm gerecht wird." Was im individuellen Fall das Passende sein kann, darin beraten die Bestattungsunternehmen der Region. Sie können Möglichkeiten aufzeigen und sich um die konkrete Ausgestaltung kümmern. Von Behördengängen bis hin zur Organisation der Trauerfeier sind sie der richtige Ansprechpartner. zg/imp