Anzeige

Wann macht ein Eingriff Sinn?

Archivartikel

St. Josef-Krankenhaus: Gelenkspezialist Dr. Sebastian Korff im Interview zum Thema Knieschmerzen

Das Knie ist ein sehr komplexes Gelenk – viel komplexer als das Hüftgelenk beispielsweise. Umso mehr Sorgen macht es, wenn es nicht mehr so richtig mitspielen will und schmerzt. Wenn die Beschwerden immer schlimmer werden und die Gehstrecke immer kürzer, stellt sich irgendwann die Frage nach einem künstlichen Gelenk. Wann das wirklich sinnvoll ist und worauf man dabei achten sollte – dazu gibt Gelenkspezialist Dr. Sebastian Korff vom St. Josef-Krankenhaus Viernheim Antworten.

Die aktuellen Leitlinien der internationalen Arthrosegesellschaft OARSI empfehlen teilweise sehr detailliert, was für die Patienten in den verschiedenen Stadien der Kniegelenksarthrose geeignet ist. Gerade die konservativen Maßnahmen werden hier besonders berücksichtigt. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Korff: Ich begrüße es sehr, dass die Leitlinien sich so intensiv mit den konservativen Maßnahmen beschäftigen. Es ist von größter Bedeutung, dass alle Möglichkeiten der konservativen Therapie bei der Verschleißerkrankung des Kniegelenkes (Arthrose) ausgeschöpft werden, bevor man einen operativen Eingriff in Erwägung zieht. Hier ermöglichen es einfache, aber manchmal sehr wirkungsvolle Maßnahmen, den Schmerz im Knie in den Griff zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Gewichtsreduktion, Kraft- und Koordinationstraining, Bandagen, aber auch Infiltrationen, Akupunktur, manuelle Medizin oder Chirotherapie. Ganz wichtig sind zudem gründliche Patientenschulungen.

Und wie sieht es aus, wenn die konventionellen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und der Betroffene ständig unter Schmerzen leidet. Wann macht ein künstliches Gelenk Sinn?

Dr. Korff: Arthrosen sind leider alltäglich – das beginnt teilweise bereits mit dem 30. Lebensjahr. Grundsätzlich sollte man so lange konservativ behandeln, wie es nur geht. Dennoch kommt für den Patienten meist ein Zeitpunkt, an dem der Schmerz das Leben immer stärker beeinträchtigt. Dies spiegelt sich häufig in der Diagnostik wieder. Wir sehen dann, dass der Knorpel praktisch komplett abgenutzt ist, und sich der Patient vor Schmerzen kaum noch bewegen kann – hier kann die Knieprothese sehr sinnvoll sein.

Allerdings würde ich nicht den Schmerz als Maßstab für die Operation wählen, sondern eher die Lebensqualität. Schmerz ist meiner Meinung nach ein schlechter Ratgeber, da er sich ändert und man ihn mannigfaltig behandeln kann. Die Lebensqualität spielt eine wesentlich größere und konstantere Rolle für den Patienten. Wenn zum Beispiel keine Spaziergänge mehr möglich sind, ist das für mich stark eingeschränkte Lebensqualität. Im Grunde ist es ganz einfach: wenn der Leidensdruck zu groß wird, weiß es der Patient selbst, wann es Zeit ist, über ein künstliches Gelenk nachzudenken.

Was kann man denn realistisch von einem künstlichen Kniegelenk erwarten?

Dr. Korff: Das hängt sehr individuell vom Patienten ab und von seinem Aktivitätsgrad vor und nach dem Eingriff sowie der vorbestehenden Stabilisierungsmuskulatur des Knies. Die Erfolgsaussichten sind gut. Grundsätzlich kann jeder – unabhängig vom Alter – beschwerdefrei werden und nicht nur wieder in Bewegung kommen, sondern auch Sport treiben. Jeder kann bis ins hohe Alter von einem künstlichen Kniegelenk profitieren. Man muss sich nur Ziele setzen und auf sie hinarbeiten. Das dauert natürlich – beim einen länger als beim anderen. Eine Knieprothese ist keine Hüftprothese, bei der Patienten schon oft nach wenigen Wochen wieder vollständig hergestellt sind. Man muss wissen, dass ein künstliches Kniegelenk noch bis zu zwölf Monate nach dem Eingriff Beschwerden machen kann, dass es immer wieder dick und warm wird. Im Durchschnitt sind es drei Monate. Man wird auch immer wieder mal daran erinnert, aber das heißt nicht, dass man nicht wieder Golf oder Tennis spielen kann. Man muss nur dran bleiben und Muskulatur aufbauen.

Minimalinvasive Eingriffe sind an vielen Stellen des Körpers möglich - gilt das auch für eine Knieprothese

Dr. Korff: Anders als beim Hüftgelenksersatz kommt beim Kniegelenksersatz den minimalinvasiven Eingriffen nur eine untergeordnete Bedeutung zu, da bei diesen Eingriffen unabhängig vom operativen Zugang die relevanten Strukturen nicht durchtrennt werden. Viel wichtiger ist die Nutzung und Entwicklung maßgefertigter Prothesensysteme, die wir in Viernheim als einziges Krankenhaus in der Region anbieten. Dadurch gewinnen wir unserer Ansicht nach Sicherheit für den Patienten. Zudem sind wir ein Team aus mehreren Gelenkspezialisten und arbeiten in der Knie Endoprothetik immer zusammen – auch das steigert die Sicherheit für den Patienten.

Welche Tipps würden Sie einem Patienten mit Knieschmerzen für den Therapieweg geben?

Dr. Korff: Wenn ein Arthroseschmerz im Knie länger als vier Monate andauert, sollte man einen Spezialisten aufsuchen. Stellt sich nach einem Sturz eine Schmerzhaftigkeit ein, gilt es, eine knöcherne Verletzung auszuschließen. Hier empfehlen wir die sofortige ärztliche Konsultation. Dies ist insbesondere für jüngere Menschen extrem wichtig. Gerade bei jungen Menschen ist ein Knieschaden keine Bagatelle. Es kann viel getan werden, um das Fortschreiten eines Knorpelschadens aufzuhalten oder zu verlangsamen. imp