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Coronavirus

Ein Formular, das Existenzen retten soll - Soforthilfe startet

Archivartikel

Rhein-Neckar.Um das wirtschaftliche Überleben kleiner Unternehmen und Solo-Selbstständiger während der Corona-Krise zu sichern, haben alle Bundesländer Hilfsprogramme ins Leben gerufen. Profitieren sollen auch Freiberufler und Künstler. Das Programm sieht vor, dass existenzgefährdete Unternehmen bis zu drei Monate Zuschüsse vom jeweiligen Land bekommen. Die Anmeldung startete in Baden-Württemberg am Mittwochabend, Hessen und Rheinland-Pfalz befinden sich noch in Planung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wie viel Soforthilfe gibt es in Baden-Württemberg?
In Baden-Württemberg können Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten und Solo-Selbstständige eine Einmalzahlung von maximal 9000 Euro erhalten. Dazu zählen auch Freiberufler und Künstler. Antragsberechtigte mit bis zu zehn Beschäftigten können maximal 15000 Euro und jene mit bis zu 50 Vollzeit-Mitarbeitern maximal 30000 Euro erhalten. Die Höhe der Fördermittel errechnet sich aus den Umsatzeinbrüchen eines Unternehmens, die der Corona-Krise geschuldet sind und können den oben gelisteten maximalen Förderbetrag nicht überschreiten. Ausbildungsbetriebe mit weniger als zehn Vollzeitbeschäftigten dürfen ihre Auszubildenden als Vollzeitkräfte zählen. Mitarbeiter auf 20-Stunden-Basis zählen als halbe Stelle und Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis als 0,3-Stelle. 

Wie viel wollen Hessen und Rheinland-Pfalz zahlen?
Hessen zahlt Unternehmen bis fünf Mitarbeitern 10000 Euro, bis zehn Mitarbeitern 20000 und von elf bis 50 Mitarbeitern 30000 Euro. Rheinland-Pfalz bietet neben der Soforthilfe, die so hoch ausfallen wird wie in Baden-Württemberg, auch Sofortdarlehen an. Diese müssen allerdings innerhalb von sechs Jahren vollständig zurückgezahlt werden. 

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen noch erfüllen?
Wie das baden-württembergische Wirtschaftsministerium auf seiner Internetseite schreibt, gilt für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer, dass sie mit ihrer Tätigkeit mindestens ein Drittel des Nettoeinkommens eines Haushalts bestreiten. Von der Soforthilfe ausgeschlossen sind Unternehmen, die bereits vor dem 11. März, also dem Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Korona-Krise als Pandemie bewertet hat, Umsatzeinbrüche hatten.
Wichtig ist vor allem, dass der Antrag an das Bundesland gestellt wird, in dem sich auch der Sitz des Unternehmens befindet. Die Soforthilfe muss in keinem der drei Bundesländer zurückgezahlt werden.

Wie kann die Soforthilfe beantragt werden?
Das Verfahren ist für Baden-Württemberg einheitlich gestaltet: Auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums finden Unternehmen seit Mittwochabend den Antrag im pdf-Format zum Herunterladen. Vollständig ausgefüllt muss der Antrag dann im gleichen Format auf der Seite unter www.bw-soforthilfe.de hochgeladen werden. 
In Hessen rechnet das Regierungspräsidium Kassel damit, dass die Seite mit dem Antragsformular spätestens Montag online ist. Ab wann in Rheinland-Pfalz das Geld beantragt werden kann, steht bisher nicht fest.

Welche Unterlagen brauchen Unternehmen für den Antrag?
Es werden keine Belege gefordert. „Das wäre zu umfangreich und zeitintensiv“, sagt Andreas Kempff, Geschäftsführer Industrie, Innovation und Unternehmensförderung bei der IHK-Rhein-Neckar . „Es geht hier um eine schnelle Beurteilung.“ Was jedoch auf keinen Fall fehlen dürfe, sei eine Unterschrift. „Mit einer Unterschrift bestätigt der Antragsteller, dass seine Angaben korrekt sind“, sagt Kempff. Eine eidesstattliche Erklärung sei der einfachste und schnellste Weg. Die Alternative wären weitere Formulare gewesen, die man einzeln hätte prüfen müssen.
Der Antragsteller muss allerdings einige Nummern bereithalten, etwa die der zuständigen Kammer und eventuell die Kundennummer der L-Bank. Für das Ausfüllen des Antrags wird außerdem eine Bankverbindung benötigt.

Wie läuft das Antragsverfahren ab?
Die Fördermittel kommen vom Land Baden-Württemberg und werden letztlich über das baden-württembergische Förderinstitut L-Bank vergeben. Ein eingereichtes Formular wird nach erster Prüfung also von der L-Bank an die zuständige Kammer verteilt. Diese bearbeitet dann den Antrag und schickt diesen für eine weitere Prüfung und Einschätzung an die L-Bank zurück. „An dieser Stelle erhält der Antragsteller eine Zwischennachricht von der Kammer“, erklärt ein Sprecher der Handwerkskammer Mannheim. Entscheidet die L-Bank für eine Förderung des Unternehmens, wird dieses erneut informiert. Das Geld soll dann schnellstmöglich auf das Konto des Unternehmens überwiesen werden.

Wie haben sich die Kammern vorbereitet?

Um die Anträge schnellstmöglich zu bearbeiten, haben die IHK Rhein-Neckar und die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald insgesamt fast 100 Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut. Zusätzlich stehen den Unternehmen mehr als 20 Berater telefonisch zur Verfügung, die auch an Samstag erreichbar sein werden.

Die Kammern haben für häufig gestellte Fragen ein FAQ auf ihren Seiten zusammengestellt und aktualisieren diese fortlaufend. Darin werden auch Fragen zu den Angaben des Liquiditätsengpasses beantwortet.

Wo erhalten Unternehmen weitere Infos?

Das Land Baden-Württemberg bietet auf seiner Internetseite ein FAQ zur Soforthilfe an.

Informationen und Ausfüllhilfen zur Soforthilfe bieten die Industrie- und Handwerkskammer Rhein-Neckar und die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald auf ihren Internetseiten an. Schwerpunkt ist hier auch die Angabe des Liquiditätsengpasses und zur Umrechnung „Vollzeitäquivalent“.

Außerdem können sich Unternehmen telefonisch beraten lassen. Die IHK bietet nun auch samstags von 8 bis 15 Uhr unter der Rufnummer 062117090 eine allgemeine Beratung und unter 06211709600 eine vertiefende Beratung an. Auch die Handwerskammer ist neben den Werktagen auch samstags von 10 bis 15 Uhr unter der Rufnummer 0621180020 zu erreichen.