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Einsätze in der Silvesternacht - erste Bilanz

Archivartikel

Die Einsatzkräfte in der Region hatten in der Silvesternacht viel zu tun, vor allem zu Bränden rückten Feuerwehr und Polizei aus. In vielen Fällen stand die Ursache an Neujahr noch nicht fest - aber der Brandzeitpunkt kurz nach Mitternacht war doch auffällig häufig. Ein Überblick.

Heidelberg: Hochhaus wegen Tiefgaragenbrands evakuiert

In der Nacht ist es in Heidelberg zu einem Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei gekommen, nachdem mehrere Autos in einer Tiefgarage in Brand geraten waren. Wie die Polizei mitteilte, löste um 1.55 Uhr ein Brandmelder der Tiefgarage in der Emmertsgrundpassage Alarm aus. Mehrere geparkte Autos gerieten im Untergeschoss in Brand und wurden dabei völlig zerstört. Die Brandursache sei noch unklar, sagte eine Sprecherin, Silvesterfeuerwerk sei eine mögliche Ursache.

Während der Löschmaßnahmen der Berufsfeuerwehr Heidelberg wurden die Anwohner der unmittelbar angrenzenden Anwesen evakuiert und von den Einsatzkräften in Bussen der Stadt Heidelberg versorgt. Durch das Feuer entstand ein so großer Schaden an der Bausubstanz, dass die Tiefgarage bis auf weiteres nicht genutzt werden kann und nach einer ersten Prüfung einsturzgefährdet ist, so die Polizei. Für die angrenzenden Gebäude der Tiefgarage bestand allerdings keine Gefahr, so dass die Bewohner nach Abschluss der Löscharbeiten und der Überprüfung durch einen Statiker wieder in ihre Wohnung zurückkehren konnten. Der Sachschaden kann bislang nicht beziffert werden. Wie es zum Ausbruch des Feuers kam ermitteln nun die Beamten der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg.

Heidelberg: Böller fliegen in Garage und Lokal

In Heidelberg-Kirchheim mussten Einsatzkräfte gegen 22.30 Uhr zwei verschlossene Garagen öffnen, weil dort Feuer ausgebrochen war. Nach ersten Ermittlungen gerieten darin Gegenstände durch einen Feuerwerkskörper in Brand. Die Polizei geht davon aus, dass er mutwillig hineingeworfen wurde. An zwei Fahrzeugen entstand durch die Hitze Sachschaden. 

Ebenfalls in Kirchheim hatte ein Anwohner abgebrannte Feuerwerkskörper aufgesammelt, sie in einer Mülltüte verstaut und im Keller abgestellt. Die noch glimmenden Reste entzündeten den Müll. Ein Brandmelder löste aus, der Sachschaden blieb gering. Einen ähnlichen Fall meldet die Polizei aus Sandhausen: Dort hatte ein Anwohner Reste des abgebrannten Feuerwerks in der Mülltonne in einer Tiefgarage entsorgt. Der Müll entfachte Feuer in der Tonne, die Hitze beschädigte ein Auto. Sachschaden: 1000 Euro. 

4.000 Euro Sachschaden hat ein Unbekannter verursacht, der kurz nach Mitternacht eine Rakete in der Karlsruher Straße in Heidelberg-Rohrbach zündete. Der Feuerwerkskörper durchschlug nach Angaben der Polizei die Fensterscheibe eines Restaurants und landete im Lokal. Die brennenden Reste wurden schnell gelöscht, verletzt wurde niemand.

In Boxberg brannte nach 1 Uhr ein Gartenhaus vollständig aus. Dabei entstand nach Angaben der Polizei ein Sachschaden von 5000 Euro. Hier war noch unklar, ob ein Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst hat oder ob er vorsätzlich gelegt wurde.

Mann schießt mit Schreckschusspistole

Eine 16-Jährige musste in einem Krankenhaus behandelt werden, nachdem ihr ein Mann eine Schreckschusswaffe an den Kopf gehalten und abgefeuert hatte. Die Jugendliche wurde nur leicht verletzt. Der Mann floh, konnte später aber identifiziert werden. Die Ermittlungen laufen.

Auch drei andere Fälle körperlicher Gewalt riefen die Polizei auf den Plan:

Noch vor Mitternacht hatte ein Pärchen Streitigkeiten von zwei Gruppen auf dem Bismarckplatz mitbekommen. Dabei wurde die Begleitung des 19-Jährigen zunächst angerempelt. Als der Mann gegen 23.20 Uhr schlichten wollte, wurde er von mehreren Tätern geschlagen und auch noch getreten, als er bereits auf dem Boden lag. Anschließend flüchteten die Täter, die Polizei konnte sie nur zum Teil identifizieren.

Gegen 0.50 Uhr registrierten die Beamten in der Hauptstraße eine Auseinandersetzung, bei der zwei Täter auf einen 20-Jährigen einschlugen. Dabei traten diese auch gegen den Kopf des jungen Mannes. Sechs Personen, darunter auch die beiden Schläger, flüchteten noch vor Eintreffen der Beamten vom Tatort.

Nach Mitternacht kam es in einer Disko in der Kettengasse zu einer Schlägerei. Dabei wurde ein 23-Jähriger ins Ohr gebissen. Der zunächst flüchtige Täter wurde von den Beamten gestellt - er hatte sich unter einem Auto versteckt. Bei der Kontrolle fanden die Polizisten nicht nur Betäubungsmittel, sondern auch ein Messer, mit dem der Mann hantiert haben soll. Das Messer und ein blutiges Hemd wurden sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.

Rhein-Neckar: Rettungsdienst rückt 240 mal aus

Die Integrierte Leitstelle Rhein-Neckar meldet 240 rettungsdienstliche Einsätze zwischen 23.30 Uhr und 6.30 Uhr. Die Zahl sei im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. In den meisten Einsätzen versorgten die Rettungsdienstmitarbeiter Patienten, die zu viel Alkohol getrunken hatten. "Wir hatten aber auch mehrere Einsätze, bei denen Feuerwerkskörper beziehungsweise Böller in Händen explodiert sind“, sagt Udo Dentz von der Leitstellenleitung. In Heidelberg kam es demnach in einer Disko zum Streit, der in einer Stichverletzung eskaliert ist. Auf der Autobahn 5 bei Walldorf mussten die Rettungskräfte vier Verletzte nach einem schweren Verkehrsunfall versorgen. 

Rauenberg: Scheune geht in Flammen auf

Womöglich wegen Pyrotechnik ist in der Neujahrsnacht eine Scheune in Rauenberg (Rhein-Neckar-Kreis) in Flammen aufgegangen. Wie die Polizei mitteilte, waren gegen 2 Uhr ein Scheunenanbau und ein hölzerner Geräteschuppen aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten. Trotz sofortiger Alarmierung von Polizei und Feuerwehr breitete sich das Feuer rasch aus, sodass beide Anbauten schnell in Vollbrand standen. Die mehr als 50 Feuerwehrleute konnten verhindern, dass das Feuer auf angrenzende Wohnhäuser übergriff. Weil Einsturzgefahr bestand, rückte ein Statikexperte an, wie eine Sprecherin der Polizei am Mittwoch sagte. Während der Löscharbeiten mussten neben den betroffenen Bewohnern auch Anwohner ihre Wohnungen verlassen, konnten teilweise aber nach der Löschung des Feuers um 03:10 Uhr wieder in diese zurückkehren. Die Bewohner des angrenzenden Hauses, an dem sich der mittlerweile völlig ausgebrannte Anbau befand, können vorerst nicht in das durch den Brand beschädigte Haus zurückkehren. Menschen wurden keine verletzt. Mehrere Fahrzeuge seien aber wohl in Mitleidenschaft gezogen worden. Es entstand ein Sachschaden von mehr als 150.000 Euro. Was den Brand auslöste, ermitteln nun die Beamten der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg.

Ludwigshafen: Polizei zieht positive Silvesterbilanz

Das Polizeipräsidium Rheinpfalz zieht nach dem Jahreswechsel eine positive Bilanz der Silvesternacht. Insgesamt sei es zu 16 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im gesamten Zuständigkeitsbereich gekommen, die im Zusammenhang mit den Silvesterfeierlichkeiten stehen, teilte die Behörde mit. Sechs Strafanzeigen wurden wegen Körperverletzungsdelikten aufgenommen, sieben Mal kam es zu Sachbeschädigungen, einmal musste die Polizei wegen Beleidigungen einschreiten. In einem Fall kam es zu einer Strafanzeige unter anderem wegen Eigentumsdelikten. In zwei Fällen ermitteln die Beamten gegen jugendliche Tatverdächtige. Weiterhin kam es zu zwei Platzverweisen und vier Durchsuchungen sowie zehn Identitätsüberprüfungen. Vermutlich durch umherfliegende Feuerwerkskörper wurden einige Balkon-, Mülleimer- und sonstige Kleinbrände verursacht, die von der Feuerwehr gelöscht werden mussten. „Die Bürgerinnen und Bürger im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz verhielten sich überwiegend vernünftig und umsichtig“, lautet das abschließende Fazit der Polizei.

Die Ludwigshafener Feuerwehr arbeitete indes 22 Einsätze ab: Vor dem Jahreswechsel waren die Einsatzkräfte unter anderem wegen Gasgeruchs im Stadtteil Rheingönnheim sowie einem Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn in Oggersheim ausgerückt. Um 22.40 Uhr fuhren die Kräfte zu einem Wohnungsbrand mit starker Rauchentwicklung im Hemshof. Um 22.47 Uhr brannte ein Carport in die Rohrlachstraße. Die Löscharbeiten an der Dachkonstruktion dauerten. Zum Jahreswechsel musste die Feuerwehr mehrere Einsätze kurz nach Mitternacht gleichzeitig abarbeiten: darunter drei Gebüsch- und Flächenbrände, vier Müllbrände und ein Balkonbrand. Personen kamen nicht zu Schaden.

Frankenthal: Böller sorgen für Streit

Noch vor dem Jahreswechsel ist es zwischen feiernden Nachbarn im Frankenthaler Stadtteil Eppstein zu einem handfesten Streit gekommen, der für einen 59-Jährigen im Krankenhaus endete. Wie die Polizei mitteilte, gerieten gegen 23 Uhr ein 35-jähriger und ein 21-jähriger Mannheimer mit einem 59-jährigen Mann aus Frankenthal aufgrund des Umgangs mit Feuerwerkskörpern in Streit. Als sie ihn zur Rede stellten, eskalierte die Situation. Anwesende Unbeteiligte konnten die Kontrahenten trennen und die Situation schlichten. Der 59-Jährige wurde mit einer Platzwunde in die Stadtklinik Frankenthal gebracht. Gegen die Beteiligten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung sowie gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Bensheim: Alarm in Tiefgarage

Ruhiger Jahreswechsel für die Feuerwehren im Bensheimer Stadtgebiet: Zweimal wurde die Einsatzkräfte alarmiert, größere Schäden oder Verletzte gab es nicht. "Es blieb zum Glück ruhig", bestätigte Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn am Neujahrsmorgen auf Nachfrage dieser Zeitung.

Um kurz nach Mitternacht schlug die Brandmeldeanlage in der Tiefgarage der Guntrum-Galerien an der Nibelungenstraße an. Rauch von Böllern, Knallern und Raketen war ins Untergeschoss gezogen und hatte dort einen Melder ausgelöst. Karn und der Wehrführer der Bensheim-Mitte, Hans Förg, waren schnell vor Ort und erkundeten die Lage. Dadurch konnte der bereits ausgerückte Löschzug noch auf der Anfahrt zurückbeordert werden. Der Rauch hatte sich schnell wieder verzogen.

Um 0.47 Uhr mussten die Kameraden aus Auerbach die Silvesterfeierlichkeiten unterbrechen. Im Fasanenweg brannten an einem Müllsammelplatz zwei Großraummülltonnen. Ein Trupp unter Atemschutz löschte die beiden Behälter. Was die Ursache des Feuers war, "konnte nicht ermittelt werden", so Karn. Glutreste von einem abgebrannten und danach entsorgten Feuerwerk oder ein unglücklich gelandeter Böller oder eine Rakete könnten als Auslöser infrage gekommen sein.

Brennende Mülltonnen

Häufig brannten Mülltonnen, zum Beispiel in Landau oder Asbach. "Das Feuer dürfte durch einen hineingeworfenen Silvesterknaller entstanden sein", berichtete die Polizei in Landau. Bereits um kurz vor 21 Uhr geriet in Oftersheim ein Fahrradunterstand in Brand. Unbekannte hatten nach Angaben der Polizei dort Feuerwerkskörper gezündet. Eine Tonne mit Wertstoffmüll fing Feuer. Neben dem Unterstand beschädigten Flammen und Hitze auch sieben Räder sowie zwei Autos. Es entstand Sachschaden in Höhe von mindestens 10.000 Euro. Von den Verursachern fehlt bislang jede Spur. In Dossenheim fingen zwei Tannen in einem Garten Feuer - durch das Brandgeschoss einer Feuerwerksbatterie. 

In Weinheim wurden an sieben Autos die Außenspiegel abgetreten, der Täter konnte unerkannt flüchten. In Bergzabern (Kreis Südliche Weinstraße) nahm die Polizei in der Silvesternacht einem 51-jährigen aus dem Raum Blieskastel eine Schreckschusswaffe ab. Die Waffe hatte kein amtliches Prüfzeichen und der Besitzer keine Genehmigung. In Wörth am Rhein (Landkreis Germersheim) brannte ein Müllcontainer im Kellerraum eines Mehrfamilienhauses. Aufgrund der Rauchentwicklung mussten insgesamt 44 Bewohner das Haus verlassen. (kako/akj/mer/dpa)

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