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Auf den Hund gekommen

„Dogs of Berlin“: Die zweite deutsche Netflix-Produktion hat das Zeug zur schlechtesten Serie des Jahres

Wie man Krimis besser nicht machen sollte, hat Christian Alvart in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen: Der 44-Jährige ist verantwortlich für jeden der bislang fünf Hamburger „Tatorte“ mit Til Schweiger als nuschelndem Kommissar Nick Tschiller.

Alles, was die Schweiger-„Tatorte“ zu Tiefpunkten der Fernsehunterhaltung macht, hat nun „Dogs of Berlin“, Alvarts neue Krimiserie für Netflix (ab Freitag, 7. Dezember) zu bieten: miese Figuren, miese Dialoge, miese Handlung. Und mit Fahri Yardim spielt auch noch Schweigers Hamburger Kommissarskollege eine Hauptrolle. Der 38-Jährige tritt hier als deutsch-türkischer Polizist Erol Birkan auf,

Die zweite Hauptrolle spielt Felix Kramer (im „Zürich-Krimi“ der ARD verkörpert er auch schon einen Polizisten). Als Kurt Grimmer ist er eine testosterongetriebene Machomaschine, die denkt, sie sei schlau. Also lässt Grimmer, nachdem er seine arbeitslose Freundin (Anna Maria Mühe) in ihrer armseligen Hochhauswohnung so richtig schön durchgenommen hat, hoch philosophische Klopper raushauen: „Haben wir wirklich eine Wahl, oder war alles schon entschieden, als wir geboren wurden?“ Autsch.

Hanebüchene Handlung

Zufällig kommt Kramer, ebenfalls Polizist, an einem Tatort vorbei. Ein Mann wurde ermordet. Kramer erkennt, dass es sich bei dem Toten um Orkan Erdem handelt, einen Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Mit der sollte Erdem am folgenden Tag gegen die Türken zum Freundschaftsspiel antreten.

Statt den Mord zu melden, kommt Kramer eine Idee: „Wir könnten die Sache geheim halten bis nach dem Spiel!“, sagt er sich. Er besorgt sich bei seinem Neonazi-Bruder Geld, um auf das Spiel zu wetten. Sein Insider-Wissen soll ihn aus der Schuldenfalle holen. Das klappt auch zunächst; nur irgendwann muss der Mord an Fußballer Erdem dann doch aufgeklärt werden. Und da einer wie Kramer in der „türkischen Community“, wie sein Vorgesetzter ihn belehrt, nicht gut ankommt, muss ein fescher „Quotentürke“ mit ins Boot – eben jener Erol Birkan,

Dumpfe Sprüche

„Dogs of Berlin“ wirkt, als habe sich diesen Schlonz ein 15-Jähriger unter Hormondruck ausgedacht. Die Männer dürfen markige Sprüche abfeuern, die Frauen ihre nackten Brüste ins Bild halten oder herzzerreißend flennen. Er habe sich bereits vier Staffeln von „Dogs of Berlin“ ausgedacht, erzählte Regisseur Alvart kürzlich im Interview mit dem „Rolling Stone“. Jeder, der Sorge hat um den Ruf der deutschen Serie in der Welt, sollte hoffen, dass es beim Ausdenken bleibt. tsch