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Weinheim Manuel Just verfolgt letzte Gemeinderatssitzung von Oberbürgermeister Heiner Bernhard

Aufmerksamer Nachfolger im Publikum

Heiner Bernhards Fazit seiner letzten Gemeinderatssitzung vom vergangenen Mittwoch ist eindeutig: „Sie verlief tiefenentspannt.“ Als er mit Manuel Just gestern telefonierte, machte er seinem Nachfolger klar: „Der Sitzungsverlauf war nicht repräsentativ.“

Regelmäßige Beobachter des kommunalpolitischen Geschehens in Weinheim können das bestätigen. Von den gut 160 Gemeinderatssitzungen, die Bernhard in seiner 16-jährigen Amtszeit geleitet hat, ging es in einigen hitzig zu, wenn bei Themen wie der Bebauung des Schlossberg-Areals oder zum umstrittenen Gewerbegebiet Breitwiesen die Meinungen von Verwaltung und Gemeinderatsfraktionen aufeinanderprallten.

CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Haring hatte Bernhard am Mittwoch in einem Antrag zur Geschäftsordnung zu Beginn diese tiefentspannte Sitzung gewünscht, wovon Bernhard mit Blick auf die Tagesordnung auch ausgegangen war. Ohne Harings Einwurf im Namen aller Stadträte wäre die Besonderheit der letzten Sitzung unter Bernhards Leitung nicht thematisiert worden.

Währenddessen hatte Bernhards Nachfolger Manuel Just aber bereits für eine besondere Note gesorgt, als er in einer der Sitznischen des großen Sitzungssaales Platz nahm und das Geschehen als Zuschauer verfolgte – aufmerksam und mit sichtlich großem Interesse, wie seinem Blick zu entnehmen war.

Nachdem das Gremium zum Neubau einer Kunstrasenplatzes südlich des Sepp-Herberger-Stadions (wir berichteten), zum Bau einer Sport-Kindertagesstätte durch die TSG Weinheim oder zu Open-Air-Veranstaltungen in zweijährigem Rhythmus im Schlosspark einvernehmliche Entscheidungen getroffen hatte, erlebte Just, dass Kommunalpolitik in Weinheim auch mit Leidenschaft betrieben wird und unter den Stadträten trotz unterschiedlicher Haltungen menschliche Verbindungen bestehen.

Widmung von Kretschmann

Für die Verabschiedung von Gerhard Mackert, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, war SPD-Sprecher Wolfgang Metzeltin auf die Suche nach dessen Lieblingswein gegangen, und der grüne Stadtrat und Landtagsabgeordnete Uli Sckerl schenkte Mackert ein Buch mit einer persönlichen Widmung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. So gab es am Ende bei Bernhards letzter Sitzung doch noch Tränen, als Mackert seine persönliche Ergriffenheit zum Abschied nach 24 Jahren im Gemeinderat zeigte.

„Ich habe immer versucht, rund um eine Gemeinderatssitzung keinen überbordenden Terminkalender zu haben“, sagte Heiner Bernhard gestern auf die Frage, wie er sich jeweils auf Sitzungen vorbereitet hat. „Das ist mir aber in den seltensten Fällen gelungen“, fügte er lachend hinzu.

Auf die öffentliche Sitzung folgte am Mittwoch noch ein nichtöffentlicher Teil. So musste Manuel Just vor seinem Vorgänger den Ratssaal verlassen, nachdem er erstmals Weinheimer Gemeinderatsluft geschnuppert hatte. Eigentlich wollte er schon während des OB-Wahlkampfs eine Sitzung als Zuschauer besuchen, doch der Terminplan ließ es nicht zu.

Einen ersten Unterschied zu Sitzungen in Hirschberg: Dort liegt die Bürgerfragestunde am Beginn der Sitzung, in Weinheim wird die Sitzung immer um 18 Uhr für die Bürgerfragestunde unterbrochen. Just: „Über den Grund werde ich mich noch informieren.“