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Weinheim „Lebenswild“ heißt die Gemeinschaftsausstellung von Loraine Heil und Dorle Schimmer

Begegnung mit der Vergangenheit

„Lebenswild“ heißt die Ausstellung der beiden Künstlerinnen Dorle Schimmer und Loraine Heil im Atelier von Horst Busse in der Bergstraße 85. Die gebürtige Weinheimerin Loraine Heil, die lange Zeit in Berlin gelebt hat, ist vor allem bekannt durch ihre kompakten Bronze-Polyeder. Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung sind zwei längliche, ebenfalls in Bronze gegossene Körper, die, in Anbetracht des Ausstellungs-Mottos, die Assoziation zu einer Spermie, als Ursprung des Lebens, aufkommen lassen. Der Hirschberger Künstler Karl Heinz Treiber vergleicht die organischen Formen der Bronzekörper mit der vergoldet spiegelnden Skulptur „Der große Fisch“ von Brancusi in der Mannheimer Kunsthalle.

Drehbare Bronzekörper

Tatsächlich ist bei den beiden Bronze-Skulpturen auch die Ähnlichkeit mit einem Fischkörper zu erkennen. Während eines der Objekte in glattem, glänzendem Gold erstrahlt, zeigt die zweite Skulptur eine unebene, graue Oberfläche, die durch die Behandlung mit „Schwefelleber“, einem Gemisch aus Kaliumcarbonat und Schwefel, entstanden ist. Neben den beiden drehbaren Bronzekörpern, die auf einer Stange befestigt sind, zeigt die Weinheimer Künstlerin kleinformatige Malereien.

Die Bilder sind durch mehrfach aufgetragene Farbschichten entstanden, die direkt aus der Tube oder mit Spachtel und Pinsel verarbeitet wurden. Karl Heinz Treiber spricht sogar von „zerstörten“ Farben, die wieder neu erschaffen wurden. Der Betrachter erkennt auf den reliefartigen Werken, dass sich Vorder- und Hintergrund voneinander lösen und zu einem Gesamtkunstwerk wiederfinden, das manchmal an tanzende Blüten erinnert, jedoch auch andere vielfältige Deutungen zulässt. Durch das Verwenden von „Van Dyke-Braun“ ist auf Heils Bildern, passend zur Jahreszeit, eine herbstliche Stimmung entstanden.

Zwei schwarze Kacheln an der sonst weißen Wand führen in den Nachbarraum zu den Objekten von Dorle Schimmer, die seit 30 Jahren in Spanien lebt. Zu ihren beweglichen Collagen hat sie ihr handschriftliches Aufzeichnen von Hölderlins Briefroman „Hyperion“ sowie das Abzeichnen alter Familienfotos inspiriert.

Eine wichtige Anregung stellte für Schimmer auch der Bilderatlas des 1929 verstorbenen Kunstwissenschaftlers Aby Warburg dar, dessen Forschungen das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft betraf. Betritt man den Ausstellungsbereich von Dorle Schimmer, so fällt der Blick automatisch auf einen Werktisch mit ausgeschnittenen Textfragmenten, Fotoschnipseln, aufgeblätterten Buchseiten und verschiedenen Arbeitswerkzeugen. Der Tisch, der wie der Arbeitsplatz der Künstlerin erscheint, jedoch Teil ihrer Installation ist, reflektiert ihre Philosophie, in der es kein fertiggestelltes Objekt gibt.

Begegnung mit der Vergangenheit

Die einzelnen Collagen-Element ihrer großflächigen Bildtafeln sind mit Magneten befestigt und können verschoben oder entfernt werden. Durch das Ausschneiden eines Schriftzuges aus einer Figur sind gleich zwei Collagen-Elemente entstanden. Einmal der Schriftzug selbst, zum anderen die Figur, die durch die entstandene Schneide-Lücke einen neuen Charakter erhalten hat. Dorle Schimmer verbindet alte, vergilbte Schwarzweiß-Fotos mit aktuellen Motiven. Die entstandenen Konstellationen lassen neue inhaltliche Bezüge sichtbar werden. „Lebenswild“ ist Schimmers Begegnung mit der Vergangenheit, die sie mit ihren Bildfragmenten in die Gegenwart projiziert. „Lebenswild“ ist auch die Begegnung zweier Künstlerinnen, die aus dem Körper heraus den Körper überschreiten.

Öffnungszeiten, Atelier Horst Busse, Bergstraße 85, Weinheim: an den Wochenenden 6./7., 13./14., und 20./21. Oktober, jeweils von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 0163/9 26 46 56. rav