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Im Interview Dr. Hans-Jürgen Scholz klärt als Mediziner über die Fakten einer psychischen Störung auf / Ein Hausarzt ist die erste Anlaufstelle für mögliche Betroffene

Behandeln – damit es keine Panik wird

Ein gemütlicher Abend zu zweit. Der Fernseher läuft, Kerzen sind an und die Stimmung könnte romantischer nicht sein. Dann der Schreck. An der Wand sitzt eine Spinne. Diese Situation versetzt einige Menschen in Panik. Sie haben Angst vor Spinnen, man spricht von einer Phobie. Um Gefühlen dieser Art auf den Grund zu gehen, hat unsere Zeitung mit Dr. Hans-Jürgen Scholz gesprochen. Er gibt im Interview Erklärungen zur Entstehung, Behandlung und den verschiedenen Facetten von Angst.

Wie beschreiben Sie Angst?

Scholz: Angst ist ein beklemmendes Gefühl, das sowohl körperliche Symptome auslöst als auch die Gedanken der Menschen blockiert.

Wie kommt es zu Angststörungen?

Scholz: Ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Angst ist die Unkontrollierbarkeit des eigenen Lebens. Auslöser können zum Beispiel Liebesentzug, eine Überbehütung oder die Erziehung zum Perfektionistensein, aber auch der Tod eines Angehörigen, Trennung oder Jobverlust können ursächlich sein. Um diese Störung zu entwickeln, müssen Veranlagung, Lernerfahrung und Lebensumstände einwirken.

Vor was können wir Angst haben?

Scholz: Theoretisch kann man vor allem Angst haben. Daraus können Angststörungen oder Panikattacken resultieren. Oft kommt es auf die Gegebenheiten an. Manche haben Angst vor bestimmten Situationen wie Dunkelheit oder Menschenansammlungen, andere wiederum haben an bestimmten Orten wie in Aufzügen oder auf Brücken Angst. Oft haben Menschen aber auch vor bestimmten Begegnungen Angst, wie zum Beispiel vor Spinnen, Schlangen oder Hunden. Das ist mit einer Phobie verbunden. Die Ängste können einen aber auch grundlos und aus heiterem Himmel überfallen, ohne Vorzeichen.

Bemerken Betroffene, dass sie unter einer Angststörung leiden? Und woran kann man das erkennen?

Scholz: Es ist für Unerfahrene relativ schwierig, die Angststörung zu erkennen. Häufig äußert sich eine Angst in körperlichen Beschwerden, wie zum Beispiel Herzrasen. Daher ist es Betroffenen oftmals nicht gleich bewusst, dass es sich um ein psychosomatisches Problem handelt und nicht um ein organisches.

Wie können Angststörungen behandelt werden? Können Betroffene selbst etwas tun?

Dr. Scholz: Abhängig von der Ursache gibt es verschiedene Therapieansätze. Neben Medikamenten, die in schweren Fällen zum Einsatz kommen, kann die Behandlung auch auf sanfte Art erfolgen. Meistens macht man das mit Entspannungsverfahren, autogenem Training oder Verhaltenstherapien. Sport im Allgemeinen kann allerdings auch gut helfen. Therapien können ambulant und stationär erfolgen. Bleibt die Angst aber unbehandelt, besteht die Möglichkeit, dass sich Panikattacken entwickeln.

Wann gilt die Angst als geheilt?

Scholz: Wenn der Patient unbeschwert über die Situation hinwegkommt, die früher in ihm Ängste ausgelöst hat.

An wen wenden sich Betroffene ?

Scholz: Die erste Anlaufstation ist der Hausarzt. Denn körperliche Beschwerden offenbaren nicht gleich eine Angststörung. Der Arzt kennt seine Patienten in der Regel schon länger und kann dann das weitere Vorgehen organisieren.