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Blick zurück nach vorn

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„Ready Player One“: Steven Spielbergs Bestseller-Verfilmung bietet optisch und akustisch Referenzklasse

Mit 71 Jahren ist Steven Spielberg eigentlich kein typischer Vertreter der ersten Videospielergeneration. Aber der kommerziell erfolgreichste Hollywood-Regisseur aller Zeiten hat sich das Kind im Manne so gut erhalten, dass er mit seinem neusten Science-Fiction-Abenteuer „Ready Player One“ gleichzeitig nach vorne und zurück blicken kann – und das authentisch.

Seine Verfilmung von Ernest Clines gleichnamigem Bestseller (dem Spielberg klugerweise das Schreiben des Drehbuchs überlassen hat) zeichnet gekonnt ein Zukunftsszenario, in dem für Spieler aus virtueller und gemischter Realität eine zweite Wirklichkeit geworden ist. Gleichzeitig spielt er unheimlich gekonnt das weite Feld der Pop- und Game-Kultur seit den späten 70er Jahren auf. Von Spieleklassikern wie „Pacman“ oder „Space Invaders“ über Filme, Comics oder Serien wie „Star Trek“, Batman und Superman bis zu den Horrorikonen wie Jack Torrance aus Stephen Kings „Shining“, Jason oder Freddy Krueger. Dass Spielberg sich auch mehrfach selbst zitiert, ist unvermeidlich – schließlich tauchen auch seine Werke in Clines Roman mehrfach auf.

Technisch ist schon die Blu-Ray-Disc hochklassig: Das Bild genügt hohen Ansprüchen, was Farbkontraste und Auflösung angeht. Die zunächst etwas irritierende Körnung ist volle Absicht und hebt die Realszenen deutlich von der digitalen Spielwelt ab. Dank Dolby-Atmos-Fassungen für die englische und die deutsche (!) Spur ist der Ton absolute Referenzklasse und nutzt alle Boxen, die zur Verfügung stehen. Das Bonusmaterial ist sehenswert („Die 80er als Inspiration“), wie immer verzichtet Spielberg leider auf einen Audiokommentar.

Flucht in Spielrealität

Nur die Grundhandlung des sechsterfolgreichsten Films des bisherigen Jahres kann da nicht ganz mithalten: In einer fast zusammengebrochenen Gesellschaft im Jahr 2045 flüchten die Menschen in eine virtuelle Realität namens Oasis. Deren exzentrischer Schöpfer James Halliday (Mark Rylance) hinterlässt sein enormes Vermögen demjenigen, der ein im Spiel verstecktes Geheimnis (Easter Egg) findet. Das löst einen irrwitzigen globalen Wettstreit aus. Warum es vor dem jungen Helden Wade Watts (Tye Sheridan) niemand geschafft hat, die Hinweise im Spiel richtig zu deuten, muss man nicht plausibel finden. Aber das stört bei dieser halsbrecherischen, fantastischen Schnitzeljagd letztlich kaum. jpk