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Blut, Schweiß und Tränen

Archivartikel

„Die dunkelste Stunde“: Oldman zeigt Churchills menschliche Seite

Winston Churchill war ein Mann, an dem sich viele Briten reiben konnten. Als er 1940 zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt wurde, war er keineswegs so beliebt, wie er im von historischer Patina getrübten Rückblick heute erscheinen mag. Ganz im Gegenteil. Knorrig, unbequem, exzentrisch – ein Politiker, der aneckte, aber erfüllt war von Pflichtbewusstsein. Und einer, der sich für seine Überzeugungen einsetzte, auch wenn sie nicht opportun waren, wie „Die dunkelste Stunde“ (2017) eindrucksvoll zeigt.

Oscar für gutes Spiel

Gespielt wird Churchill, der im Mai 1940 Premierminister wurde, von Gary Oldman. Und da er eine feine Balance findet zwischen der historischen Wucht seiner Figur und ihren menschlichen, zweifelnden Seiten, hat man nach wenigen Auftritten vergessen, dass da ein Schauspieler zu sehen ist. Zu Recht wurde er – wie auch die Maske – für die hervorragende Leistung mit einem Oscar prämiert.

Man sieht hier einen Politiker, der im Gegensatz zu seinen Widersachern eine klare Haltung hat, die er auch gegen große Widerstände verteidigt. Während die politische Elite in London immer noch auf eine Einigung mit Hitler-Deutschland hoffte, stellte sich Churchill mit aller Macht gegen die Barbarei. Er wollte keineswegs zurückweichen, wohlwissend, dass diese Haltung eine große Opferbereitschaft seiner Landsleute erforderte. In einer seiner wichtigsten Reden schwor er seine Landsleute auf einen Kampf voller „Blut, Schweiß und Tränen“ ein.

Die großen Momente des Films sind die, in denen Regisseur Joe Wright die präzisen Dialoge des Drehbuchs von Anthony McCarten in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellt. Denn neben Oldmans Churchill machen der Umgang mit der Sprache, die kernigen Reden und geschliffenen Wortgefechte „Die dunkelste Stunde“ zu einem sehenswerten Film, viel mehr als die aufgeplusterte visuelle Opulenz. Die teilweise schwülstige Heldendarstellung Churchills, zu der sich Joe Wright hinreißen ließ, hätte der Film nicht nötig gehabt. Sie lenkt nur ab vom Wesentlichen.

Der Film ist erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc, Ultra HD Blu-ray und als Video-on-Demand. tsch