Startseite Fallback für unzugeordnet und Altdaten bzw Archiv

Weinheim Eine Mutter beklagt sich über rücksichtslose Autofahrer an den Zebrastreifen in der Schul- und Luisenstraße / „Ich habe da wirklich Angst“

„Das Problem sind die Eltern“

Archivartikel

Beate L. weiß nicht mehr weiter. Seit September besucht ihre Tochter die Pestalozzi-Grundschule in Weinheim und eigentlich würde die Mutter das Mädchen gern allein zu Schule laufen lassen. Aber sie traut sich nicht.

Nicht, weil ihre Tochter das nicht könnte, sondern weil das Kind die Zebrastreifen in der Luisen- und der Schulstraße überqueren muss und Beate L. festgestellt hat, dass zahlreiche Autofahrer sich überhaupt nicht für die Fußgängerquerung interessieren. „Nicht mal dann, wenn Kinder ganz offensichtlich die Straße passieren wollen. Mir ist das völlig unverständlich“, erzählt die Mutter im Gespräch mit der Redaktion.

„Das Problem ist auch, dass Autos sogar mitten auf dem Zebrastreifen parken“, berichtet sie. Dann schickt sie den Fotobeweis und tatsächlich: Mitten auf dem Zebrastreifen in der Luisenstraße vor dem Imbiss steht ein Kleinwagen. Der Fahrer ist nicht in Sicht.

„Meine Tochter soll selbstständig werden, aber ich habe da wirklich Angst“, sagt die Weinheimerin. Mit dieser Angst sei sie auch nicht allein, sie kenne viele Eltern, die die Sorgen teilen und die Straßenüberquerung an den Zebrastreifen für die Kinder zu gefährlich finden, weil Autofahrer rücksichtlos darüberfahren. „Ich habe schon beobachtet, dass die teilweise um Kinder herumfahren, obwohl die schon auf der Straße sind. Das geht doch nicht.“ Gut fände sie, wenn an der Kreuzung ein Transparent auf den Schulbeginn hinweisen würde. Es gibt ein solches Transparent, aber das hängt direkt an der Schule und da nutzt es wenig“, sagt die Mutter. Beate L. würde sich auch wünschen, dass hier die Polizei mehr Präsenz zeigt: „Beim Elternabend wurde uns gesagt, dass die Polizei zum Schulstart stärker kontrolliert, aber ich hab noch nie Polizei dort gesehen.“

Tatsächlich war die Polizei aber durchaus dort. Auf Nachfrage teilte die Pressestelle der Polizei mit, dass Beamte im Rahmen der Schulwegüberwachung, die an allen 21 Schulen in Weinheim stattfindet, am 10. September an der Pestalozzischule kontrolliert haben. Dabei habe man bei fünf Autofahrern Verwarnungen ausgesprochen. In allen fünf Fällen waren es Eltern, die ihre Kinder selber mit dem Auto zur Pestalozzischule brachten. „Das Problem sind die Eltern“, bringt es der Polizeisprecher auf den Punkt.

Das Problem ist ja nicht ganz neu und betrifft nicht nur Weinheim. Eltern, die ihre Kinder auf den letzten Drücker zur Schule kutschieren, auf Geh- und Radwegen parken, Geschwindigkeiten überschreiten oder noch das Handy am Ohr haben. Das sind Szenen, die sich tagtäglich morgens vor deutschen Schulen abspielen. Nicht nur vor Grundschulen, ähnliche Szenen kann man auch täglich vor dem Werner-Heisenberg-Gymnasium und vor der Dietrich-Bonhoeffer-Schule erleben.

Polizei tut, was sie kann.

Gleichzeitig werben Schulen bei den Eltern jedes Jahr aufs Neue dafür, ihre Kinder alleine oder in Gruppen laufenzulassen, es gibt Schulstart-Aktionen, wie den „Laufenden Schulbus“, bei der ein oder zwei Erwachsene viele Kinder aus mehreren Straßenzügen zu Fuß begleiten, sie auf mögliche Gefahren aufmerksam machen und die Kinder so sanft auf Selbstständigkeit im Straßenverkehr vorbereiten. Die Polizei tut, was sie kann. Jedes Jahr appellieren Polizeidienststellen landesweit per Pressemitteilungen an Eltern, Rücksicht auf andere Kinder zu nehmen. Die gute Nachricht ist: 2016 waren es nach einer Forsa-Umfrage zwar nur noch 37 Prozent aller Grundschüler, die sich zu Fuß auf den Weg zur Schule machten. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sind es 2018 immerhin 43 Prozent, die zu Fuß gehen. Allerdings waren es in den 70er-Jahren noch rund 90 Prozent.

Tatsache ist auch: All diese Bemühungen und Aktionen nutzen Beate L. und allen anderen Eltern, die ihre Kinder zu Fuß in die Schule schicken, gar nichts, wenn sich Elterntaxis und Autofahrer nicht an die einfachsten Regeln halten, die da sagen: Vor Schulen und Kindergärten ist Wachsamkeit das erste Gebot und Kinder auf Zebrastreifen haben Vorfahrt. Immer. Und es kann auch nicht Aufgabe der Polizei sein, jeden Morgen vor sämtlichen Schulen zu kontrollieren, ob sich Eltern an die Verkehrsregeln halten. shy

In ihrer Analyse verbindet unser Redaktionsmitglied Sarah Hinney Fakten und Hintergründe mit ihrer persönlichen Meinung.