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Roman Der Autor Mia Couto aus Mosambik eröffnet mit „Imani“ eine groß angelegte Trilogie über die Zeit vor und während der Kolonialisierung Afrikas

Das Vergangene bleibt gegenwärtig

Es ist die Geschichte eines Krieges, eine Geschichte, die von den afrikanischen Königreichen vor der Kolonialzeit im südlichen Afrika handelt. Und es ist eine Geschichte, die von Missverständnissen in der Begegnung der Kulturen erzählt.

Imani, die weibliche Hauptfigur im gleichnamigen Roman des mosambikanischen Schriftstellers Mia Couto, ist ein junges Mädchen: eine Übersetzerin zwischen ihrer Volksgruppe und dem portugiesischen Offizier Germano. Und damit ist ihr Schicksal schon besiegelt, denn ihre Vermittlerposition entfremdet sie zwar von ihrem Volk, bringt ihr aber keine Akzeptanz vonseiten der vordringenden Kolonisatoren.

Und so spielt der neue Roman Coutos auf mehreren Ebenen: auf einer historischen, indem es um die Koalitionen und Allianzen zwischen den Kolonisatoren aus Lissabon und den untereinander konkurrierenden Völkern Südafrikas geht. Und auf einer persönlichen Ebene, indem einerseits die Hoffnungen und Illusionen des verbannten Offiziers Germano geschildert werden, andererseits die Erwartungen und Enttäuschungen des Mädchens Imani, das gleichsam zur letzten Zeugin einer untergehenden Welt wird.

Der Roman „Imani“ ist der Auftakt einer Romantrilogie Coutos über die Zeit vor und während der Kolonisierung des südlichen Afrika, und damit ist dieses Buch nicht nur fiktional, sondern ruft auch dokumentierend einen Abschnitt der europäisch-afrikanischen Geschichte ins Bewusstsein, der hier wie dort kaum noch lebendig ist – geschrieben aus der Perspektive derjenigen, die in dem imperialen Machtkampf unterworfen werden und untergehen und dabei doch ein menschliches Antlitz und Würde und Achtung wiedergewinnen.

Spuren des Kolonialismus

Couto hat für „Imani“ Fakten recherchiert und Legenden gesammelt und macht mit seinem Buch Geschichte so lebendig, als wären die vergangenen Jahrzehnte gegenwärtig. Für den Mosambikaner Couto sind sie das auch, denn der Ablauf der Zeiten, wie er in Europa gilt, ist in seiner Heimat wenig relevant: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlagern im dortigen Denken einander, und das eine ist ohne das andere nicht vorstellbar. Und so ist „Imani“ nicht allein ein historischer Roman, sondern vielmehr ein Buch über die Spuren und Spätfolgen des Kolonialismus im Mosambik von heute.