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Weinheim Philipp Nunninger ist für die Wahl zum Sporthelden 2018 nominiert / Der Inklusionssportler ist zweiter Vorsitzender des Integrativen Fanclubs der TSG Hoffenheim

Den Fußball trägt er seit Jahren im Herzen

Archivartikel

Der nasse Kunstrasen auf dem Gelände der TSG Lützelsachsen glänzt im Flutlicht, 18 Spieler und Spielerinnen kämpfen um den Ball. Auf dem linken Flügel lauert Philipp Nunninger, er läuft sich frei, ist immer in Bewegung. Wie jeden Freitag steht er mit der integrativen Fußballmannschaft auf dem Platz – doch an diesem Tag ist etwas anders. Am Spielfeldrand steht ein Kamerateam, das die Partie filmt. Stets im Fokus ist Nunninger, der Star des Abends. Der Weinheimer ist für den Preis „Sporthelden 2018“ nominiert und steht mit vier Mitbewerbern bereits im Finale. Der SWR-Sport sucht für diese Auszeichnung beeindruckende Persönlichkeiten, die herausragende Leistungen oder nachwirkende Engagements erbracht haben. Dabei geht es nicht in erster Linie um Titel, Triumphe oder Rekorde. Es geht um Menschen mit besonderer Geschichte.

Eine Geschichte, wie die von Philipp Nunninger. Seit vielen Jahren setzt sich der 34-jährige Weinheimer dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht hinter verschlossenen Türen oder in einer Parallelgesellschaft bleiben, sondern am Leben teilhaben. Wie das geht, lebt er vor: als aktiver Sportler auf dem Platz, als ergänzender E-Jugend-Trainer, als Fahnenschwinger im Fan-Block oder als Zweiter Vorsitzender des Integrativen Fanclubs der TSG Hoffenheim.

Seit dessen Gründung ist Nunninger dabei und fährt nicht nur zu den Heimspielen, um die Mannschaft aus dem Kraichgau anzufeuern. Michael „Charly“ Mildenberger, Vorsitzender des Vereins, erklärt: „Philipp nimmt für uns an Treffen des Dachverbandes teil und macht sich für unsere rund 200 Mitglieder stark.“ Es war Mildenberger, der seinen Vorstandskollegen Nunninger im November mit diesen Worten für den „Sporthelden“-Preis nominierte: „Seit Jahren trägt Philipp als Mensch mit Downsyndrom den Ball am rechten Fleck – nämlich im Herzen. Er zeigt immer wieder, wie man mit der richtigen Einstellung Blockaden und Barrieren abbauen und neue Wege beschreiten und zementieren kann.“

Fußballerische Finesse

Nunninger und Mildenberger kennen sich schon eine „gefühlte Ewigkeit“. Begonnen hat ihre gemeinsame Geschichte vor über 20 Jahren: Als Nunninger im Alter von etwa 13 Jahren nicht mehr mit den anderen Sportlern seiner Mannschaftskollegen der Fußballjugend der TSG Weinheim mithalten konnte, ging er bei der Fußball-AG des Pilgerhauses seiner Leidenschaft nach. Mildenberger arbeitete, damals wie heute, dort in der Behindertenhilfe.

Ehrensache also, dass Nunningers langjähriger Wegbegleiter, nachdem er seinen Schützling für die Auszeichnung nominierte, auch beim Dreh dabei ist. Vom Seitenrand beobachtet er das Spiel, bei dem der Flügelspieler im blauen Trikot gerade den Ball fordert. Sein Mitspieler steckt den Pass elegant durch, Nunninger legt sich das Leder mit einem Kontakt gekonnt zurecht und schießt. Der Torhüter ist geschlagen, der Ball zappelt im Netz, der Schütze streckt seine zwei Zeigefinger zum Torjubel Richtung Himmel. Dass Fußball ein wichtiger Bestandteil im Leben des 34-Jährigen ist, kommt nicht von ungefähr. „Mein Opa hat mir den Ball quasi in die Wiege gelegt“, sagt er. Der Sport mache ihm „einfach Spaß“. Viel wichtiger ist dem Inklusionssportler, der in einem Pflegeheim arbeitet, aber der integrative Gedanke: „Unsere Mannschaft macht aus, dass wir eben auch mit Nichtbehinderten auf dem Platz stehen. So lassen sich Kontakte zu allen Menschen im Verein knüpfen.“

Bis Ende Dezember können die Zuschauer entscheiden, ob Nunninger der „Sportheld“ wird. Dafür kann online abgestimmt werden, sobald die Videos im Netz stehen. Und mit etwas Glück fährt der Fußballer am 23. Dezember, direkt nach dem letzten Heimspiel der TSG Hoffenheim, nach Stuttgart in das TV-Studio des SWR. Bis dahin wünscht sich Nunninger ganz im Sinne des Sportgeistes: „Es soll einfach der Bessere gewinnen.“ ppf

Info: Abstimmen und alle Videos bald unter www.swr.de/sport