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Literatur Ein Klassiker der französischen Schriftstellerin Sidonie Gabriele Colette erscheint erneut auf Deutsch / Buch wirkt noch sehr modern

„Die Katze oder ich!“

Archivartikel

Er stellt die entscheidende Frage, sie nickt kurz und hat damit alles gesagt. Ihr Nicken ist Geständnis und Anklage zugleich. Seine Grausamkeit, ihr Mordversuch – kurz nach der Hochzeit steht das junge Paar schon wieder vor der Trennung. Ihr Zerwürfnis rührt von einer Kartäuserkatze her – „entweder sie oder du?“.

Mit der Genauigkeit einer scharfen Beobachterin erzählt Sidonie Gabrielle Colette (1873-1954) die Geschichte von Alain, Camille und deren Rivalin, der Katze Saha. Psychologisch präzise schildert sie, „wie sich zwischen ihnen Zwietracht einnistete wie eine neue Jahreszeit mit ihren Überraschungen und mitunter Annehmlichkeiten“.

Eifersucht hat Saison. Camille erträgt nicht, dass Alain seine Katze mehr zu lieben scheint als sie, die Ehefrau, und sie begreift nicht, „dass die sinnliche Lust des Mannes eine kurze Jahreszeit ist“. Viele Winter sind seit der Erstausgabe von „La Chatte“ anno 1933 vergangen. Als Colettes Roman 1936 erstmals auf Deutsch erschien, hieß er „Die Katze“. 1959 kam das Buch dann unter dem Titel „Eifersucht“ heraus. Nun, bei Ebersbach & Simon, heißt es wieder wie einst. Das ist einerseits präziser, andererseits weniger zweideutig, denn der Originaltitel „La Chatte“ bedeutet im Französischen eben nicht nur „Die Katze“, sondern genausogut „Die Muschi“. Und das passt durchaus auch auf diese sexuell aufgeladene Geschichte.

Colettes unerhörter Dreiecksroman, einer ihrer größten literarischen Erfolge, wirkt fast neun Jahrzehnte nach seinem Entstehen noch absolut modern. Der Lebensstil des jungen Paares mit Sportwagen mag daran seinen Anteil haben, ebenso die Erwähnung vollautomatischer Küchen mit elektrischen Kaffeemaschinen. Auch die Übersetzung von Elisabeth Roth, die 1986 erstmals erschien und nun Grundlage der Neuausgabe ist, klingt zeitgemäßer als frühere Übertragungen.

Vor allem aber sind es die genau beobachteten Feinheiten der zwischenmenschlichen Beziehungen, die dem Roman seine Zeitlosigkeit verleihen. Wie sich die jungen Eheleute entzweien, bevor sie richtig zusammengefunden haben, ist heute so wahr wie zu Lebzeiten der 1954 gestorbenen Autorin. Colette braucht dafür nicht viele Worte, kaum 140 Seiten reichen ihr. Doch wie sie mit sicherer Einfühlung die Psychologie von Mensch und Tier ergründet, ist große Kunst – und jederzeit eine Wiederentdeckung wert.