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Die Mutter aller Superheldenfilme

„Avengers – Infinity War“: Das Finale der großen Marvel-Sage ist so episch wie der dritte Teil des „Herrn der Ringe“

Selten hat es sich mehr gelohnt, einen Film noch einmal mit Audiokommentar zu schauen wie bei „Avengers – Infinitiy War“, der Mutter aller Marvel-Superheldenfilme: Zum einen, weil die Anmerkungen der Regisseure Anthony und Joe Russo sowie der Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely dem Zuschauer helfen, all die Mosaik-Steine, Details und kleinen Hinweisen aus den 18 (!) Vorgängerfilmen zu erkennen und zusammenzusetzen.

Nicht, dass man „Avengers 3“ nicht versteht, ohne die miteinander verwobenen Abenteuer von Thor, Captain America, den Guardians Of The Galaxy, Doctor Strange, dem Black Panther oder Spider-Man davor noch mal anzuschauen. Dafür ist das Überwältigungskino hier zu ausgeprägt und episch, so dass eigentlich nur der dritte Teil des „Herrn der Ringe“ und die „Hobbit“-Trilogie als Referenz infrage kommen. Aber es macht schon immer noch Spaß, das eigene Gedächtnis zu beklatschen. Selbst, wenn ihm auf die Sprünge geholfen werden muss.

Noch wichtiger: Der Kommentar hilft, das doch sehr unerwartete Ende zu verarbeiten, das die Regisseure selbst mehrfach aufstöhnend als „Tritt in die Eier“ bezeichnen. Der Titan Thanos (hinter der digitalen Hülle so brillant wie Andy Serkis als Gollum oder Affenführer Cesar: Josh Brolin) hat die unendlich mächtigen sechs Infinity-Steine in seine Gewalt gebracht. Damit ist er allmächtig und kann nun seine wahnhafte Idee umsetzen, das Leben im Universum „aus Gnade“ ins Gleichgewicht zu bringen – indem er die Hälfte davon mit einem Fingerschnippen auslöscht. Als es kurz so aussieht, als ob die Avengers den Titanen trotzdem besiegen, kommentieren die Russo-Brüder trocken: „Das wäre das typische Ende eines kommerziellen Films gewesen.“ Dann folgt besagter Tritt – mehrfach … Erstaunlich, dass ein Action-Streifen mit Jungs-Zielgruppe seinem Publikum so viel zumuten und so viel voraussetzen kann. Und trotzdem als vierterfolgreichster Film aller Zeiten über zwei Milliarden Dollar umsetzt.

Aber anders als die Figuren der Konkurrenz-Comics von DC (Superman, Batman), waren die Geschichten um die Marvel-Helden schon früh von Opfern und Niederlagen geprägt. Und ohne zu viel zu verraten: Mehr Opfer hat ein Superheldenfilm nie gefordert, davon einige in der Dimension von Romeo und Julia oder Abraham und Isaak. Selbst der beeindruckende „Endboss“ Thanos muss leiden. Am Ende dieser optisch beeindruckenden, tontechnisch nicht ganz optimalen Blu-ray bleibt aber ein wenig Hoffnung auf „Avengers 4“, der im Frühjahr in die Kinos kommen soll. jpk