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Literatur Greg Iles verfasst mit „Die Sünden von Natchez“ einen ebenso spannenden wie sozialkritischen Roman / Die Zeit des Sklavenhandels offenbart darin ihre Spuren

Die Vergangenheit lastet schwer

Archivartikel

Die Kleinstadt Natchez im US-Bundesstaat Mississippi, ist der Schauplatz einer komplexen Erzählung, die der Schriftsteller Greg Iles in drei massiven Romanen ausgebreitet hat. Nach „Natchez Burning“ und „Die Toten von Natchez“ liegt nun mit „Die Sünden von Natchez“ der abschließende Band der Trilogie in deutscher Übersetzung vor.

In den drei Romanen erzählt der 58-Jährige über fast 3000 Seiten am Beispiel einer Familie, wie sehr das Erbe von Rassismus, Gewalt und Selbstjustiz in der modernen Gesellschaft der amerikanischen Südstaaten nachwirkt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die komplizierte Vergangenheit der Familie Cage.

Ein quälender Verdacht

Ausgangspunkt der Handlung ist der Verdacht, dass Tom Cage, ein hoch angesehener Arzt, die Krankenschwester Viola Turner ermordet haben soll. Der Grund dafür soll eine 50 Jahre zurückliegende Affäre der beiden sein. In den 60er Jahren, als die Bürgerrechte der Afroamerikaner noch stark umkämpft waren, war eine solche Beziehung höchst umstritten.

Durch diesen Handlungsstrang bestätigt Iles, dass ein legendärer Satz von William Faulkner weiterhin Gültigkeit für sich beanspruchen kann. Der bislang bedeutendste Schriftsteller des amerikanischen Südens hatte einst gesagt: „Im Süden ist die Vergangenheit nicht tot. Sie ist noch nicht einmal vergangen.“ Faulkner bezog sich damals auf das direkte Erbe von Sklaverei, Gewalt und Rechtsbeugung. Iles zeigt in den Romanen seiner Trilogie, wie zwei Generationen später die Bürgerrechtsbewegung und ihr Versuch, das Unrecht zu überwinden, das düstere Erbe zu überwinden, die Gesellschaft prägt.

Der Erzähler von „Die Sünden von Natchez“ ist wie in den früheren Romanen der Reihe Penn Cage, ein ehemaliger Anwalt, der jetzt Bürgermeister des Ortes ist. Cage versucht, seinen Vater vor dem Gefängnis zu bewahren, muss aber feststellen, dass sein Vater die Zusammenarbeit verweigert.

Unterstützung bekommt Penn Cage von Serenity Butler, einer Journalistin, die über die Geschichte der sogenannten Doppeladler recherchiert. Diese Geheimorganisation, ein radikaler Ableger des Ku Klux Klan, hatte schon in „Die Toten von Natchez“ eine zentrale Rolle gespielt, da die Gruppe von Terroristen seit Jahrzehnten für viele Morde und andere rassistische Gewalttaten verantwortlich ist.

Cage und Butler entdecken viele Geheimnisse aus der Vergangenheit der Doppeladler. Unter anderem, dass auch Viola Turner in den 60er Jahren im Visier der Doppeladler gestanden hatte. Hatte sie die Rassisten wieder auf sich aufmerksam gemacht, als sie kurz vor ihrem Tod nach Jahrzehnten wieder nach Natchez zurückgekehrt war?

Gerichtsthriller nebenbei erzählt

Während Penn Cage diese Hintergründe erforscht, steht sein Vater vor Gericht. Für Greg Iles ist dieser Prozess eine hervorragende Gelegenheit, nicht nur Vergangenheit und Gegenwart zusammenzubringen, sondern ebenso noch einen äußerst spannenden Gerichtsthriller zu schreiben.

Die drei Romane von Greg Iles’ Natchez-Trilogie bieten eine massive, vielschichtige Erzählung über eines der großen Probleme der amerikanischen Gesellschaft. Jeder Band kann unabhängig von den anderen gelesen werden und ist in sich geschlossen und einzeln verstehbar. Dennoch ist es am lohnendsten, die äußerst lesenswerte Buchtrilogie der Reihe nach zu lesen.

Die Verstrickung der Familie Cage in die Folgen der rassistischen Vergangenheit des amerikanischen Südens ist in den Romanen von Greg Iles zu einem komplexen Meisterwerk geworden. Mit der Trilogie hat Greg Iles spektakuläre Thriller veröffentlicht, die zugleich spannend und voller Einsichten in Amerikas gesellschaftliche Realität sind.