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Weinheim Die neue Doppel-CD des Odenwälder Shanty Chor bietet Erzählkultur mit kabarettistischem Einschlag und 18 Musikstücke

„Dorschdische“ auf zwei Silberlingen

Als hätten sie es gewusst, ließen die Sänger und Musiker des Odenwälder Shanty Chors ihr neues Programm „DORSCHt“ ausgerechnet in einem Jahr mit superheißem Sommer vom Stapel. Wer seinen Durst nach abwechslungsreichen, flotten Liedarrangements und humorvollen, überleitenden Texten stillen möchte, kann nun zur brandneuen Doppel-CD des kultigen Chors greifen.

„Das Thema lag halt in der Luft“, sagt Manfred Maser zum Zusammenspiel von Dorscht und Hitze ganz trocken. Im „Apfel-ess-Studio“ von Bernd Windisch in Heiligkreuz hatten die Musiker und Solo-Sänger ihren Part zu den CDs eingespielt. Abschließend trafen sich die 8 Sängerinnen und 13 Sänger in der Alten Schule in Großsachsen ein Wochenende lang und gaben den 18 Liedern den letzten Schliff. „Das hat supergut geklappt“, verteilt der musikalische Leiter und Arrangeur Matz Scheid nachträglich ein dickes Lob für den Chor.

Dabei müssen Scheid und Maser selbst ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Angesichts der neunten Programm-CD verfügt der Odenwälder Shanty Chor zwar über reichlich Erfahrung bei der Einspielung, aber das aktuelle Programm unterscheidet sich doch nicht unerheblich von seinen Vorgängern. Die Texte greifen hin und wieder auch gesellschaftliche Themen, wie beispielsweise die Auswirkungen der Digitalisierung, auf – natürlich auf die spekulative Art von Professor Netwohr. Die musikalischen Arrangements sind ausgefeilt und rund. Auch auf den beiden Silberlingen der „Dorschdigen“ ist von der ersten bis zur letzten Nummer die Leidenschaft spürbar, mit der sie seit jeher agieren.

Mundartliche Schmankerl

Der Einstieg mit der Eigenkomposition „Dorscht“ holt den Zuhörer gleich ins Thema. Masers Texte umkreisen nicht nur bildlich das Gefühl der trockenen Kehle oder führen durstige Seeleute vor Augen. Er führt mit einem Blick in Schann Scheids Tagebuch in „Sean’s Bar“, der ältesten Kneipe der Welt in Irland, wo die „dichten Denker“ leben. Es wird gefachsimpelt über die „Werdschaft“, die Kneipe und die Beiz oder spekuliert über die Bembel-Ritter, auch kurz „Bembler“ genannt, die den Bembel erfunden haben. Natürlich darf es in einem Programm nicht an mundartlichen Schmankerln fehlen. Die odenwälder Getränkebestellung an der Theke („ma ma no mo oans“) ist ein echter Schenkelklopfer.

Dass mit Tobias Escher ein Akkordeonspieler von Format mitwirkt, hebt das romantische Stück „Lettre a Durham“ auf ein besonderes Niveau. Der Solo-Gesang von Gabi Scheid im Ardkeen Boat Song sorgt für Gänsehaut, und wenn musikalisch „Quellwasser“ sprudelt, dann wünscht man sich auch in Zukunft Eigenkompositionen aus der Songschmiede Scheid/Maser.

Vergnüglich wie eh und je ist auch diese Doppel-CD des Odenwälder Shanty Chors, der in „No Monkey“ (Solo: Lenz Diesbach) die Post abgehen lässt, aus „All You Need Is Love“ von den Beatles eine Hymne des Odenwaldklubs macht, um mit „If I Should Fall From Grace With God“ sicher in den nächsten Hafen einzufahren. dra