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Weinheim Patricia Kain und Felicitas Hadzik als „Zweisamkeit“ mit einem Parforceritt durch die Musical-Landschaft

Duo mit unterschiedlichen Charakteren

Mit Gänsehaut-Feeling entlassen Patricia Kain und Felicitas Hadzik ihre Gäste auf den Nachhauseweg. „There is a fine fine line“ aus dem Handpuppen-Musical „Avenue Q“ lebt vom grandiosen Zusammenspiel der beiden Frauenstimmen, vom dezenten Piano im Hintergrund, vom nachdenklichen Text, von den getragenen Tönen. Nach dem „Musical-Fieber“, wie die beiden ihr Programm in der Alten Druckerei betitelt hatten, somit zum Abschluss eher eine Musical-Ballade, die aber ungemein berührt.

Was die beiden jungen Frauen als Duo „Zweisamkeit“ stimmlich drauf haben, zeigten sie in den knapp zwei Stunden vorher. Da gab es einen Parforceritt durch die Musical-Landschaft mit deutschen Melodien. Vor allem nach der Pause, als die bekannteren Stücke vorgetragen wurden, gab es ein ums andere Mal einen hohen Wiedererkennungseffekt. Mit den flotten Songs bewegten Kain und Hadzik die Zuschauer auch immer wieder zum Mitklatschen. „Wir sind, was wir sind“ aus „La Cage aux Folles“, dem Käfig voller Narren, „beschreibt uns am besten“, scherzte Hadzik. In ihm durften sie noch einmal all das zeigen, was schon den Abend kennzeichnete: eine enorme stimmliche Power, klare Akzentuierung, hohe Wandlungsfähigkeit, gepaart mit einer großen Bühnenpräsenz.

Die Persönlichkeiten könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Hier Felicitas Hadzik, die mit weit ausholenden Bewegungen ihren Part gibt, nie still steht, die Augen rollt, Grimassen schneidet, den Hampelmann gibt und kaum eine Sekunde auf dem gleichen Fleck bleibt. Dort Patricia Kain, die ruhige, besonnene, die ihre Kollegin spielerisch wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

Die Sängerinnen ergänzen sich perfekt in ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch gerade dann, wenn es neben dem Schauspielerischen einfach nur um den Gesang geht. „Mondlicht“ aus Cats ist ein solches Beispiel. Dieser unter die Haut gehende Song bietet ihnen die Möglichkeit, mit der ganzen geschulten Stimmgewalt abseits des Agierens zu überzeugen. Und das tun sie perfekt. Das Hit-Medley aus den bekanntesten Musicals bringt einen Schnelldurchlauf der berühmtesten Melodien, von denen es die eine oder andere gerne auch als kompletten Song hätte haben dürfen, anstatt eines eher unbekannteren, nicht so eingängigen Stücks.

„Ich gehör’ nur dir“, „Weine nicht um mich Argentinien“, „Super Trouper“ oder der „Ewige Kreis“ aus dem König der Löwen haben sich schon längst in den Gehörgängen eingenistet. Klasse auch das Best-of von Udo Jürgens, mit dem Kain und Hadzik den Spagat zwischen Schlager und Musical schaffen: Denn das Werk des Österreichers wurde 2007 in ein Musical gegossen.

Schlager sind auch das Steckenpferd der beiden Darstellerinnen. Als Duo „Zweisamkeit“ sind sie mit ihren selbst geschriebenen Liedern unterwegs und etwa am 29. Juli im Weinheimer Schlosshof zu sehen. „Ich bin wie du“ ist eine eigene Ballade, die ein schönes Beispiel der gemeinsamen Arbeit liefert.

Seit vier Jahren machen sie inzwischen zusammen Musik. Das Varieté oder die Revues der 20er-Jahre sind ihnen aber auch nicht fremd. Zwei Federboas, eine in Weiß, die andere in Rot, liegen zu Beginn auf den beiden Stühlen. Dazu genau umgekehrt ein roter und ein weißer Hut. Hadzik ist die Überkandidelte mit Gesichtsakrobatik, deren Stimmvolumen manchmal fast das Mikro überfordert. Die burschikose, der das „Puffmedley“ im Rotlichtmilieu sichtlich Freude bereitet, der männermordende Vamp, der sich lasziv auf dem Stuhl räkelt.

Dagegen Patricia Kain, ruhig, fast verschämt, kontrolliert, die aber stimmlich ebenso aus sich herausgehen kann; aber so kontrolliert, dass man jedes Wort versteht. Sie, die sich eigentlich zurücknimmt, hat genau dadurch fast mehr Ausstrahlung als ihre Kollegin, der blonde Wirbelwind auf der Bühne. tom