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Kunstfreunde Bensheim Alexej, Wassily und Nicolai Gerassimez sorgten im Parktheater für große Begeisterung

Ein einzigartiges Brüdertrio

Bensheim.Unkonventioneller Klangcocktail am Fastnachtssamstag: Mit einem bunten Programm für Schlagzeug, Violoncello und Klavier demonstrierten Alexej, Wassily und Nicolai Gerassimez beim sechsten Saisonkonzert der Kunstfreunde Bensheim ihre erfrischende Originalität. Das in Essen aufgewachsene Brüdertrio kostete die Vielfalt seines Instrumentariums in allen nur erdenklichen Varianten aus und setzte hierfür besonders auf maßgeschneiderte eigene Kompositionen. Der Abend bestätigte eindrucksvoll, wie verblüffend gut auch das Schlagzeug in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen kammermusikalisch zur Geltung kommen kann.

Wenn diese Mission von einem Ausnahmekönner wie dem früheren ARD-Preisträger und frisch gebackenen Münchner Hochschulprofessor Alexej Gerassimez (*1987) übernommen wird, dann sind ebenso spannende wie vergnügliche Horizonterweiterungen garantiert. Famos die coole Präzision des mit den Brüdern gemeinsam zelebrierten Schlagzeugtrios „Music for Pieces of Wood“ (1973) von „Minimal Music“-Pionier Steve Reich, grenzenlos der rhythmische und dynamische Facettenreichtum des eigenen Kabinettstücks „Asventuras“ für Snare Drum (kleine Trommel): Das war Percussion-Faszination pur.

Delikateste Marimba-Virtuosität bot Alexej Gerassimez in Anders Koppels klavierbegleiteter Barock-Hommage „Toccata“ (1992) und in der cellistisch bereicherten Piazzolla-Adaption „Libertango“ von Eric Sammut (*1968). Perfekt ergänzt wurde dieses jazzig angehauchte Piazzolla-Arrangement durch Gerassimez‘ eigene „Libertango“-Fantasie namens „Piazonore“ für die nicht minder verführerisch klingende Kombination von Vibraphon und Klavier. Der charakteristisch elegante Touch des wunderbar lässig wirkenden Schlagzeugers war ein Genuss.

Mit Bohuslav Martinus zündend brillanten Rossini-Variationen aus dem Jahre 1942 lieferten Wassily (*1991) und Nicolai Gerassimez (*1985) den Beweis, dass sie als Duo auch auf konventionellerem Repertoireterrain bestens funktionieren. Fazil Says ähnlich übermütig gestimmte Klaviervariationen von 1995 über Paganinis berühmte a-Moll-Caprice unterstrichen vehement die Jazz-Leidenschaft des Pianisten. Cellofans durften sich außerdem an Wassily Gerassimez‘ denkbar eingängigen und allemal repertoiretauglichen Eigenkompositionen „Melancholia“ (plus Marimba-Begleitung) und „Der letzte Tanz im Orient“ erfreuen. Der fein aufblühende Ton des jungen Cellisten genügte dabei durchaus prominentesten Vergleichen.

Dass es neben dem Reich-Stück nur zwei weitere (rahmende) Programmpunkte in Triobesetzung gab, mochte man angesichts der einzigartigen Ensemblechemie der auch als Plauderer sehr gewinnenden Gerassimez-Brüder besonders bedauern. Bachs b-Moll-Präludium BWV 867 und f-Moll-Fuge BWV 881 machten jedenfalls im aparten Gewand von Violoncello, Vibraphon und Klavier unbedingt Appetit auf mehr. Und für das mit überraschenden Instrumentenwechseln garnierte finale Pointen-Feuerwerk „Transition“ von Wassily Gerassimez galt dies erst recht. Ausgelassene Stimmung im gut gefüllten Parktheater, Ravels „Boléro“ als Zugabe in einer Spezialversion zu dritt am Cello: Welch ein Spaß!