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Ferienregion Wilder Kaiser Aktivurlauber und Fans begeben sich auf die Spuren des „Bergdoktors“ / Dreharbeiten zur zwölften Staffel der TV-Serie beginnen diese Woche

Ein filmreifer Auftritt das ganze Jahr über

Tief hängen die Wolken über der Hinteren und Vorderen Karlspitze sowie den benachbarten Zweitausendern der Goinger Halt. Dazwischen, im Ellmauer Tor, liegt noch Schnee. Am Fuß der Gipfel tummeln sich Menschen mit weißen und roten Hüten, die Mitarbeiter des Tourismusverbandes verteilen, auf dem Areal der Wochenbrunner Alm oberhalb von Ellmau. Es sind um die Tausend, die zu dem ersten Fantreffen rund um die beliebte ZDF/ORF-Serie „Der Bergdoktor“ in diesem Jahr in die österreichische Ferienregion Wilder Kaiser gekommen sind. Die Stimmung ist gut und wird noch besser, als sich die Sonne zeigt.

Junge und Junggebliebene, mehrere hundert Kilometer angereist, lauschen „Bergdoktor“-Darsteller Hans Sigl („Dr. Martin Gruber“). Er moderiert in Entertainermanier und beantwortet charmant und mit Witz alle möglichen (und unmöglichen) Fragen der Fans, die sich mit Vornamen und Wohnort vorstellen sollen. Dabei passt sich Sigl gerne den Dialekten der jeweiligen Herkunftsregion an – schwäbisch, hessisch, norddeutsch, kein Problem. Was er denn macht, wenn er nicht gerade den medizinischen Helfer spielt, will jemand wissen. Er drehe gerade einen ZDF-Thriller, Arbeitstitel: „Flucht durchs Höllental“, darin spiele er einen gejagten Strafverteidiger, erzählt Sigl. Außerdem nehme er Reclam-Klassiker für Hörbücher auf. Zwei junge Damen, Zwillinge, bewerben sich um die Stelle der scheidenden Arzthelferin „Irena Bornholm“ (gespielt von Nicole Beutler), auch ein Mann aus der Rhön bietet seine Mutter für die Position an, sie sei eine echte Krankenschwester. Es wird viel gelacht, auch bei den Interviews mit den Serienkollegen Heiko Ruprecht („Bergdoktor“-Bruder „Hans Gruber“), Maria Baumgartner („Elisabeth Gruber“, die Mutter der Brüder), Ronja Forcher („Lilli Gruber“, Tochter von Martin und Hans) sowie Natalie O’Hara (Wirtin „Susanne Dreiseitl“). Nur einmal bleibt die gute Stimmung außen vor, wird’s ganz ruhig, ganz traurig: „When you’re smiling (the whole world smiles with you)“ (zu deutsch: Wenn du lachst, lacht die ganze Welt mit dir) kommt aus den Lautsprechern, gesungen von Siegfried Rauch, dessen Foto dazu auf einer Leinwand gezeigt wird. Rauch, der in der Serie „Dr. Roman Melchinger“ spielte, verstarb im März. Vor einem Jahr war der beliebte Schauspieler noch beim Fantreffen dabei, jetzt schaue er von oben zu, wie Sigl sichtlich bewegt formuliert und an den lieben Kollegen, den Freund, erinnert. Sein Tod wird in der zwölften Staffel sicherlich würdevoll thematisiert. Die Dreharbeiten starten übrigens diese Woche und dauern bis Dezember. Die neuen Folgen werden dann Anfang Januar 2019 im ZDF ausgestrahlt, davor gibt’s das Winterspecial, das bereits abgedreht ist.

Mit dem E-Bike zu den Drehorten

Mittlerweile organisiert das Team vom Tourismusverband rund um Geschäftsführer Lukas Krösslhuber und den Filmexperten Peter Moser dreimal im Jahr „Bergdoktor“-Fanwochen mit Treffen. Immer wieder wird dabei Neues geboten, in diesem Oktober erstmals eine Abendgala. So nah wie hier kommen Fans ihren Fernsehlieblingen selten. Und auch sonst dreht sich in der Tiroler Urlaubsregion sehr viel um den Film – kein Wunder: Bietet der Wilde Kaiser doch die perfekte Kulisse für einen filmreifen Urlaub mit Unterkünften für jeden Geldbeutel, tollen Wandererlebnismöglichkeiten für Familien, Bergtouren für Sportliche und ein bestens ausgebautes Radwegenetz. Die Region ist Teil der weltweit größten E-Bike-Region „Kitzbüheler Alpen und Kaisergebirge“. 275 Elektro-Fahrräder und 75 Verleih- oder Akkuwechselstation stehen Elektrofahrrad-Gästen hier zur Verfügung.

Mit dem E-Bike lassen sich zum Beispiel auch prima die Drehorte des „Bergdoktors“ erradeln. Die Tour zum Gasthof, zur Praxis und zum „Gruberhof“ ist knapp 34 Kilometer lang, startet in Going und für Familien machbar. Am Dorfplatz in Going befinden sich die Kulissen für den Gasthof „Wilder Kaiser“ und die Apotheke. Beide Häuser sind in Privatbesitz und werden für die Außenaufnahmen genutzt. Die Gebäude sind nur von außen zu besichtigen. Die Innenaufnahmen für den „Wilden Kaiser“ etwa werden im Gasthof „Föhrenhof“ in Ellmau gedreht, eine weitere Station der Tour. Gegenüber des Ensembles liegt zudem die Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz (erbaut 1774/75). An der Kirche erstreckt sich der Friedhof. Die Gräber, die in der Serie auftauchen, werden nur für den Dreh hergerichtet. Neben der Kirche gibt es eine Hütte mit allen Infos und einer Pappfigur von Wirtin „Susanne Dreiseitl“ (Natalie O’Hara).

Die Radtour führt weiter zur Filmpraxis, einem historischen Bauernhof in Ellmau, der in der Ortschronik erstmals 1694 erwähnt wurde. Der Hof „Hinterschnabl“ ist das Elternhaus des ehemaligen Bürgermeisters Hans Leitner. Die Felder rund um den Hof bewirtschaftet die Familie noch heute. Fans werden sich wundern, dass das Gebäude von vielen Nachbarhäusern umgeben ist, sind diese doch in der Serie gar nicht zu sehen (Besichtigungen Mai bis Oktober, dienstags und freitags, 2 Euro mit Gästekarte). An der Praxis ist das Namensschild von Bergdoktor-Vorgänger „Dr. Roman Melchinger“ angebracht, welches nur bei Dreharbeiten ausgetauscht wird. Eine Vorsichtsmaßnahme der Filmleute, denn „Dr. Gruber“-Schilder verschwanden des Öfteren . . .

Weiter geht’s zum Köpfinghof nach Söll, dem Wohnhaus der „Bergdoktor“-Familie – hier heißt es ordentlich bergauf in die Pedale treten. Das 400 Jahre alte Bauernhaus bietet eine fantastische Aussicht. Es gehört eigentlich der Familie Mayr, die – wie bei allen anderen zugänglichen Drehorten – von Mai bis Oktober Einblicke gewährt (5 Euro mit Gästekarte), außer, wenn gefilmt wird. Es empfiehlt sich grundsätzlich immer, beim Tourismusverband nachzufragen, ob und wann die Filmkulissen geöffnet sind.

Echte Helfer am Berg und Statisten

Wer die Region sportlich und aktiv erkunden will, dem seien geschulte Bergführer und Outdoorspezialisten empfohlen. Bei den „Kaiserguides“ (www.kaiserguiedes.at) zum Beispiel ist Roman Hofer anzutreffen. Der 42-Jährige fungiert zudem als Obmann der regionalen Ortgruppe der Tiroler Bergrettung. Mit seinen Kollegen taucht er auch schon mal in der „Bergdoktor“-Serie als Statist auf, und zwar dann, wenn Verunglückte im Gebirge zu bergen sind – wie im echten Leben eben. Dabei ist Bergrettung ein Hobby, sagt Roman Hofer. Gemeinschaft und Freundschaft werden in den Kreisen gepflegt, die Liebe zum Bergsport verbindet. Er und seine Truppe – 25 Aktive zwischen 25 und 67 Jahren gehören zur Ortsgruppe – opfern jedoch ihre Freizeit, gefährden das eigene Leben, um Menschen zu retten – ohne Bezahlung wohlgemerkt, oftmals auch ohne ein Dankeschön in Worten.

Die meisten Einsätze seien im Sommer, erzählt Hofer im Beisein seines Kollegen Andy Gastl (38). Herz-Kreislauf-Probleme gehören zu den häufigsten Notfällen. Selbstüberschätzung, gerade auch, was das Wetter angeht, das bekanntlich in den Bergen schnell umschlagen und für Wanderer gefährlich werden kann, führt zu Einsätzen. Diese seien durch das Handy auch drastisch angestiegen, eine „Vollkaskomentalität“ habe sich mit der Technik entwickelt und etabliert, so Hofer. Heißt: Helfer würden schneller gerufen als früher, eben auch bei Fällen, wo vielleicht vor 20 Jahren nicht einmal jemand an die Bergrettung gedacht habe. Bei einem schweren Umfall ist das Handy natürlich Gold wert – mit der kostenlosen App „Bergrettung Tirol“ wird per Knopfdruck sofort der genaue Standort an die Helfer vor Ort weitergeleitet. Die „Bergdoktor“-Serie empfinden die Kameraden der Bergrettung als Gewinn für die Region. Und das wird nicht nur während der „Bergdoktor“-Fanwochen deutlich.