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Weinheim Horst Busse und Thomas Veigel widmen sich in ihrer gemeinsamen Ausstellung „Das Meer ist groß“

Ein Poet der Naturforschung

Archivartikel

Die Glassäule in der Mitte von Horst Busses Atelier wirkt leicht und luftig, Treibgut, Perlmutt und der feine Sand scheinen in der Luft zu schweben. Im Hintergrund schlagen auf großformatigen Fotografien mächtige Atlantikwellen an den Strand. Man wünscht sich in diesem Moment, dass die verheißungsvolle Meeresbrise bis in das Atelier von Horst Busse an der Bergstraße weht. Doch am Freitagabend bei der Vernissage zur Ausstellung „Das Meer ist groß“ drückt die Hitze unerbittlich. Krautrocker Ax Genrich scheint das kaum etwas auszumachen. Zum Auftakt spielen er und seine Musikerkollegen ihr Cover von „Under pressure“.

Keiner könnte die Einführung in die Ausstellung besser machen als der Walldorfer Künstler Hartmuth Schweizer, der neben Bildender Kunst und Kunstgeschichte auch Biologie, Chemie und Physik studiert hat und in seiner Rede Parallelen zum großen Naturforscher und Sammler Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) zieht. Humboldt – seiner Zeit weit voraus – erkannte schon im 18. Jahrhundert, dass in der Natur alles zusammenhängt. Diese Verbindung sieht er auch bei Busse, in dessen Atelier ein Werkstattregal mit Objekten, die die Natur geschaffen hat, eine „Sammlung ganz im Humboldtschen Sinne“ sei. „Gemacht, um zu verstehen, was die Natur antreibt“, sagt Schweizer.

Aufenthalt in Andalusien

Darstellungen des Meeres als Naturgewalt, das gibt es in der Kunst seit der Antike. Dennoch beschäftigten sich beiden Künstler Horst Busse und Thomas Veigel auf außergewöhnliche Weise mit diesem Thema. Schon der monolithische Titel der Ausstellung „Das Meer ist groß“ vermittle das unergründbare Phänomen Meer, ergänzt von den Fotografien von Thomas Veigel, die den gewaltigen Wassermassen Präsenz verleihen.

Die Installationen von Horst Busse, die beiden Glassäulen „Das Meer ist groß“ und „Blau“ sowie die Wandinstallation „Salz“ zeigten Busse als interdisziplinär arbeitenden „Poeten der Naturforschung“. Schon 2002 bei einem langen Aufenthalt in Andalusien sei ihm die Idee gekommen, sich künstlerisch mit dem Meer auseinanderzusetzen. Seine Werke erinnerten an wissenschaftliche Versuchsanordnungen bereichert um die künstlerische Ästhetik. Sand, Hölzer, Perlmutt und Algen – das sind die dominierenden Materialien. Ergänzt werden sie durch Busses Bilder aus „Weinheimer Erdfarben“. „Die Erstellung einer Farbpalette aus der Region, das geht über das traditionelle Abbilden der Natur hinaus“, so Schweizer.

Thomas Veigl, im Hauptberuf Wirtschaftsredakteur bei einer Tageszeitung, bringt mit seinen Bildern den Naturalismus der Fotografie ins Spiel. Die große Fotografien bilden die erratische Kraft der Ozeane ab. Durchbrochen lediglich von einem wesentlich kleinformatigerem Werk, einer Aufnahme des „La Mer“-Fensters in der Kapelle von Ronchamp, die der Architekt und Möbeldesigner entwarf.

Immer streift Schweizer den eigentlichen Titel seines Vortrags: „Die Rückkehr der Lachse in die Weschnitz“. Die Lachse seien Weinheims Verbindung mit dem Meer. „Und durch die Lachse ist alles mit allem verbunden“, sagt er. Und genau diese Erkenntnis soll durch ihn und die Ausstellung in unser aller Köpfe gepflanzt werden.

Die Ausstellung im Atelier Horst Busse, Bergstraße 85 ist am 7./8. Juli und 14./15. Juli jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet, sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 0177/3694087. wn