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Elend auf höchstem Serien-Niveau

„Die Pest“: Der Pay-TV-Sender Sky Atlantic präsentiert ein spanisches Historienformat zur Seuche im 16. Jahrhundert

Im späten 16. Jahrhundert gilt die spanische Hafenstadt Sevilla als Tor zur (neuen) Welt. Der Handel floriert, doch in den Slums steigt das Elend. Der perfekte Nährboden für eine der schlimmsten Infektionskrankheiten der Menschheitsgeschichte: die Beulenpest. Diese steht nämlich in der spanischen Hitserie mit dem schlichten Titel „Die Pest“ kurz vor dem Ausbruch.

Sechs Episoden ab 19. Juli

Der reiche Kaufmann Luis (Paco León) will die Quarantäne der Stadt allerdings mit Bestechungsgeldern um ein paar Wochen hinauszögern, weil er eine wichtige Schiffsladung aus Amerika erwartet. Parallel dazu wird sein alter Weggefährte Mateo (Pablo Molinero) damit beauftragt, den Bastardsohn eines verstorbenen Freundes in Sevilla aufzuspüren – obendrauf ist ihm auch noch die Heilige Inquisition auf den Fersen … Sky hat sich die Rechte an der erfolgreichsten spanischen Serie aller Zeiten gesichert und schickt die sechs Episoden von Staffel eins ab 19. Juli immer donnerstags, 20.15 Uhr, in Doppelfolgen auf Sky Atlantic ins Rennen um die Gunst seiner Abonnenten. In Spanien hat die Eigenproduktion aus dem Hause „movistar+“ Anfang des Jahres etwas Sensationelles vollbracht. Denn die Serie des größten spanischen Pay-TV-Anbieters wies HBOs Dauerbrenner „Game of Thrones“ in die Schranken und ergatterte die höchsten Einschaltquoten, die der Sender je einfahren konnte. Ob das gerechtfertigt ist? Definitiv. Alleine den immensen Ausstattungsaufwand muss man wertschätzen: Das mittelalterliche Sevilla wurde in erdigen Farben und mit einer gehörigen Portion Düsternis in Szene gesetzt. Das Elend auf dem Bildschirm wirkt derart real, dass man sich gar selbst vor den desaströsen hygienischen Zuständen ekelt. Körperflüssigkeiten, Fäkalien, Prostitution, Tod und Verderben – im Serien-Sevilla lauert die Gefahr an jeder Ecke. Auch den bestialischen Gestank, den das chaotische Treiben in der Hafenstadt zur Folge hat, riecht man förmlich in den eigenen vier Wänden. „Die Pest“ ist daher sicherlich nichts für schwache Gemüter.

Inszenatorisch und dramaturgisch wurde allerdings schlichtweg hervorragend gearbeitet. Doch es sind vor allem die Hauptcharaktere, die durch Komplexität überzeugen. Eine zweite Staffel von „Die Pest“ wurde im Heimatland der Serie bereits in Auftrag gegeben. Man darf also gespannt sein, wie das Publikum den spannenden Historienstoff des Regisseurs und Autors Alberto Rodríguez hierzulande aufnimmt. tsch