Startseite Fallback für unzugeordnet und Altdaten bzw Archiv

Sachbuch Theiss Verlag veröffentlicht einen geschichtlichen Abriss der großen bewaffneten Konflikte im Mittelalter / Unter den Autoren sind viele namhafte Historiker

Erkenntnisse übers Militärische hinaus

Kaum ein doppelschneidiges Klischee hält sich so wie das des bis zur Unkenntlichkeit romantisierten Mittelalters und das des finsteren, brutalen Mittelalters – voller Kriege und Gewalttaten. Sicherlich gab es über die fast 1000 Jahre von etwa 500 an zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen mit schlimmen Folgen für die Menschen. Aber das trifft nicht minder auf die Moderne zu. Man denke nur an die beiden Weltkriege. Und die Zeit der Flüchtlingskrise ist ja gerade Symbol für die gewalttätigen und brutalen Konflikte, Bürgerkriege und Kriege weltweit.

Zahlreiche Abbildungen

Namhafte Historiker und Spezialisten wie Gerd Althoff, Martin Clauss, Winfried Dolderer, Malte Prietzel, Bernd Schneidmüller oder Jürgen Sarnowsky haben sich zusammengefunden, um dem Thema Konflikte und Krieg sowie Kriegsführung im Mittelalter unter verschiedenen Aspekten nachzugehen. „Krieg im Mittelalter“ ist mit seinen zahlreichen Abbildungen mittelalterlicher Kriegsführung ein sehr lesenswertes Buch, für Wissenschaftler und auch interessierte Laien. Denn der Erkenntnisgewinn über gesellschaftliche Zusammenhänge geht über das rein Militärische weit hinaus.

Was die Kriege des Mittelalters von heutigen unterscheidet, ist einerseits die fehlende Staatlichkeit. Wo eine nach gültigen Normen handelnde Ordnungsmacht fehlte, musste jedermann sein Recht selbst – notfalls mit Gewalt – durchsetzen. Wer das nicht konnte, lief Gefahr, Opfer zu werden.

Herrscher zogen selbst ins Gefecht

Andererseits war das Kämpfen körperliche Schwerstarbeit, die Übung, Mut und Bereitschaft zum Risiko erforderte. Die Herrscher mussten – mit teurer Ausrüstung – in der Regel selbst Hand anlegen, während heute ein Knopfdruck reicht, um weltweit zu zündeln.

Krieg spiegelt die Strukturen einer Gesellschaft wider – die sie prägenden Menschenbilder, die Machtverhältnisse, die Belastbarkeit ihrer Institutionen, die schwelenden Probleme. Was also wäre besser geeignet, die Entwicklung der Grundlagen einer Kultur nachzuzeichnen und verständlich zu machen, als die Geschichte ihrer Konflikte? Denn diese gab es zu jeder Zeit in den je eigenen Vorstellungswelten einer gesellschaftlichen Epoche.

Das, was heute als Krieg bezeichnet wird – eine umfassende militärische Auseinandersetzung zwischen Staaten –, gab es im Frühmittelalter nicht. Denn es gab keine Staatlichkeit im modernen Verständnis und es gab im nördlichen Europa eine solche Dimension von Krieg schon wegen der logistischen Begrenztheit noch gar nicht. Erst im 16. und dann im 17. Jahrhundert mit dem Dreißigjährigen Krieg konnte Krieg in größeren Dimensionen geführt werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass erst im 17. Jahrhundert versucht wurde, Krieg zu definieren als interstaatliche gewaltsame Aggression.