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Tanz Theater Felina Areal überzeugt mit „Winterschlaf“

Erlebe den Augenblick!

Die Zeit ist etwas Alltägliches, so alltäglich, dass wir oftmals nicht die Unumkehrbarkeit und Einzigartigkeit des Augenblicks registrieren. Das Mannheimer Theater Felina-Areal hat sich nun dieses hochaktuellen Themas mit dem Tanzstück „Winterschlaf“ in gelungener Weise angenommen.

Unruhig geht Rebecca Häusler im Raum umher, setzt sich, steht wieder auf, ein gewisses Getriebensein ist ihr ins Gesicht geschrieben. Sie kann selbst den Espresso, der in einem Kocher blubbert und den sie sich eingießt, nicht so richtig genießen. Pascal Sangl dagegen hat es sich auf der Couch mit einem Buch gemütlich gemacht. Beide nehmen die Zeit augenscheinlich unterschiedlich wahr. Da wirbelt Ayesha Katz herein und bringt Leben in die Bude.

Jetzt nehmen die Tänzer Notiz voneinander. Die drei bewegen sich aufeinander zu, erst schnell, dann achtsamer und synchron. Sie heben die Hände in die Höhe, so als wollten sie die Zeit, den gerade verronnenen Moment festhalten, als sei er etwas Fassbares. Doch sie gleitet ihnen durch die Finger. Man kann sie nicht kontrollieren und schon gar nicht beherrschen. Sie fangen an, in unterschiedlichen Tempi zu zählen: „One, two, three, four, five …“ Einer kommt mit der verordneten Schnelligkeit nicht zurecht und bleibt zurück. Er will die Zeit anhalten, sie sogar zurückzudrehen, während die anderen im Sauseschritt weitermarschieren. Am Ende sinken alle ermattet unter einem weißen Baldachin in den Schlaf bis zum nächsten Morgen.

Hochverdienter Applaus

Es ist ein ästhetischer Genuss, der dem Publikum bei dieser Performance geboten wird. Entlassen wird es mit der Erkenntnis, dass dem eigenen Leben, wo es möglich ist, mehr Qualität einzuräumen sei. Kreiert von den Choreographen Kirill Berezovski, Amelia Eisen und Mike Planz, trägt zur gelungenen Umsetzung auch die ausgewählte Musik, unter anderem von Antonio Vivaldi, Henry Purcell („Dido’s Lament“ aus „Dido and Aeneas“) und Alex Somers bei. Der langanhaltende Applaus am Ende ist hochverdient.