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Ludwigshafen Pädagoge Marcus Damm hat einen Ratgeber für guten Schulunterricht geschrieben

Erste Begegnung entscheidend

Archivartikel

Was macht guten Unterricht aus? Diese Frage, die sich jeder Pädagoge und jeder Schüler insgeheim stellt, hat Marcus Damm für sich beantwortet. „Guter Unterricht steht und fällt mit der Lehrperson“, sagt der Studienrat, der seit 14 Jahren an der Berufsbildenden Schule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft – der Anna-Freud-Schule – in Ludwigshafen arbeitet. Insbesondere geht es für den Pädagogen bei gutem Unterricht um die Beziehungen zwischen Lehrer und Schülern. Darüber hat der Wormser jetzt ein Buch geschrieben.

Auf die Idee ist er gekommen, weil es in der Ausbildung der Lehrer seiner Ansicht nach eine eklatante Lücke gibt. „Das Konfliktmanagement fehlt da total“, sagt er. Die Kultusministerien würden der Fehlannahme unterliegen, dass „das mit den Schülern ja irgendwie läuft“, beschreibt Damm flapsig. Bis vor ein paar Jahrzehnten sei das auch noch kein Thema gewesen. „Aber die Schüler verändern sich und die Anforderungen an die Lehrer steigen“, sagt er. Damit meint er etwa den Umgang mit Verhaltensauffälligen Schülern, Narzissten oder Borderlinern.

Deshalb bedient sich Damm an Themen der Psychotherapie und versucht, sie mit der Schulpädagogik zu verknüpfen. Schemapädagogik heißt das Ganze. Damms These: Wenn die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern vom ersten Moment an geklärt ist, dann läuft es auch im Unterricht. „Die erste Begegnung ist entscheidend“, sagt der 44-Jährige. Zu Beginn würden Schüler immer austesten, was sie sich bei einem neuen Lehrer erlauben können. „Sie wollen wissen, wer vor ihnen steht“, erklärt er. Da würde bei einem dann mal das Handy klingeln, ein anderer würde zu spät zum Unterricht kommen, die nächste früher gehen wollen. „Diese Tests muss man von Beginn an konsequent aufdecken. Man muss dem Schüler klar machen, dass man weiß, was er gerade versucht, und dass er damit nicht durchkommt“, so Damm.

Hilfreich sei es, die Maschen gleich zu thematisieren. Damm spielt dann vor seiner Klasse gerne mal ein Video ab, in dem es genau um diese Verhaltensweisen geht. Die Strategien haben sogar Namen. „Es gibt beispielsweise die ,Immer-Ich-Masche’. Dabei ist der Schüler Opfer der Umstände, sein Bus kam zu spät und generell sind ja immer die anderen Schuld“, erklärt Damm. Eine weitere Methode heiße „Blöd“.

Dabei würden Schüler gezielt so tun, als verstünden sie etwas nicht. „Dann gibt es noch das ,Arme Schwein’. Da wird dann etwa gejammert, wenn eine Arbeit zu schreiben ist, da ja in der gleichen Woche schon drei andere anstehen“, sagt der 44-Jährige.

Einmal den „Harten“ geben

Erkennen sich die Schüler in einer der Rollen im Video, würden sie sich „schepp lachen“, so der Pädagoge. „Dadurch, dass man sich diesem Thema gemeinsam gewidmet und es positiv besetzt hat, entsteht eine enge Beziehung“, ist sich Damm sicher. „Verdeckten Beziehungsaufbau“ nennt er das. „Die Klasse weiß dann: Was die können, das kann ich schon lange.“ Persönlich habe er auch gute Erfahrungen damit gemacht, einmal den Harten zu geben. „Das muss einmal raus, damit die Schüler wissen, dass man nicht bereit ist, Spielchen zu spielen“, sagt der zweifache Vater. Daneben müssen Lehrer jedoch auch gewisse Grundbedürfnisse erfüllen. „Das sind besonders Professionalität, Gerechtigkeitssinn, Empathie, aber auch Humor“, listet Damm auf.

Dabei müssten sich Lehrer auch ihrer eigenen „Knöpfe“ bewusst sein. „Wenn die Schüler merken, dass es da einen wunden Punkt gibt, versuchen sie, den Unterricht zu sabotieren.“ Er selbst kenne mittlerweile alle Tricks der Schüler.

Dennoch, so seine Meinung, muss man als Lehrer auch einmal verlieren können. Die Niederlage müsse dann aber offen eingestanden werden.