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Familienkomödie mit gutem Ensemble

„Verpiss Dich, Schneewittchen“: Bülent Ceylans Kinodebüt hätte als Blu-ray mehr Extras vertragen

Vermutlich haben sich die Beteiligten mehr als 115 041 Zuschauer vorgestellt, wenn mit Bülent Ceylan einer der größten Comedy-Stars der Republik seine erste Kinokomödie mit Ambition und einem namhaften Ensemble aufs Gleis setzt. Aber der Verleih Constantin Film hat äußerst mieses Timing bewiesen, als er „Verpiss Dich, Schneewittchen“ ausgerechnet vor dem Osterwochenende ins Rennen schickte – gegen im Prinzip unschlagbare Familienfilme wie „Peter Hase“ und „Jim Knopf & Lukas, der Lokomotivführer“.

Die stehen beide mit mehr als 1,5 beziehungsweise 1,7 Millionen Zuschauern bislang in den Top 10 der Kino-Jahrescharts 2018, der Komiker – immerhin noch – auf Rang 95. Wenn man bedenkt, dass die Realverfilmung von Michael Endes Kinderbuchklassiker gleichzeitig mit der Komödie des Mannheimers anlief und allein in der Startwoche 600 000 Zuschauer anzog, muss man Ceylan zu der Resonanz fast schon gratulieren.

Der krawallige Titel „Verpiss dich, Schneewittchen“ setzt auch nicht unbedingt die richtigen Signale. Denn Ceylan hat mit Regisseur Cüneyt Kaya („Ummah – Unter Freunden“) durchaus seine vorab formulierte Vorstellung verwirklicht, eine Familienkomödie mit etwas Tiefgang zu drehen.

Gut, die Geschichte um den verhinderten Rockstar Sammy (Ceylan), der vielen Widrigkeiten zum Trotz eine Band zusammenstellt, um bei einer Castingshow zu gewinnen, ist nicht überkomplex. Im Weg steht ihm unter anderem eine Rotte von Neonazis, von denen der langmähnige Hamam-Mitbetreiber auch den abschätzigen Spitznamen Schneewittchen verpasst bekommt. Die Geschichte funktioniert aber durch ein starkes Ensemble aus guten Schauspielern (u.a. Josefine Preuß, Paul Faßnacht), pointenstarken Comedy-Gaststars (Chris Tall, Olaf Schubert, Tom Gerhardt) oder teilweise stark aufspielenden Musikern (Sabrina Setlur, Eko Fresh, Bernhard Brink, Die Lochis) vor allem für jüngere Altersstufen.

Die zweite kommerzielle Chance im Heimkino nutzt Sony Pictures Entertainment auch nicht optimal: Fans des Mannheimers hätten sicher einen Audiokommentar über Ceylans erste Schauspielerfahrung im Wechselspiel mit dem Regisseur zu schätzen gewusst. Auch verpatzte Szenen sind bei Komödien als Extra oft der Brüller.

Kaum Bonusmaterial

Hier bleibt es aber selbst auf der Blu-ray im Bonusmaterial beim Trailer, einigen (allerdings sehr witzigen) Bewerbungsvideoschnippseln für die Castingshow und einen erstaunlich erratisch aneinandergeschnittenen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten (B-Roll). Da hätte dieser Film in der Zweitverwertung einen liebevolleren Umgang verdient. jpk