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Früher war es keineswegs immer besser

Kerb in Zell: Vier Tage lang gute Laune und Wassergaudi / Blick ins Zeller Heimatbuch

Zell.Wenn am Freitag mit der Zeller Kerb im Meerbachtal wieder das alljährliche Traditionsfest startet, stehen vor allem gute Laune und jede Menge Spaß – vor allem bei der Bachregatta am Montag – im Mittelpunkt.

Das war aber nicht immer so. Vor allem in früheren Jahrhunderten waren die Zeiten deutlich rauer wie ein Blick in das Zeller Heimatbuch verdeutlicht. Da ist beispielsweise zu lesen, dass für Bürgermeister und Polizeidiener an „Kerwe“ wegen zahlreicher Exzesse bis hin zum Totschlag erhöhte Alarmstufe bestand. Zitiert wird außerdem eine Nachricht im Bergsträßer Anzeigeblatt vom 18. September 1899:

„Einen traurigen Abschluß fand das hiesige Kirchweihfest. Der 16jährige Taglöhner Mich. Pfeiffer von Schönberg versetzte dem 19jährigen Weißbinder Adam Bitsch von Zell auf dem Tanzboden während des Tanzens mit einem Messer einen solchen Stich in den Unterleib, daß die Eingeweide förmlich heraustraten. B. war sofort eine Leiche. Pf. wurde noch in der Nacht verhaftet. - Wie wir erfahren, wurde auf dem Kirchweihfest zu Biblis heute Nacht ein junger Mann erschlagen.“

Diese schlimmen Zeiten sind gottlob vorbei und möge angesichts dieser Nachrichten, die in dieser Form heute nicht möglich wären, keiner behaupten, dass früher alles besser war.

Heute geht es der Kerwejugend, die in Zell wie in den übrigen Bensheimer Stadtteilen mit großem Engagement die Kerb am Laufen hält, um Frohsinn, gute Laune und jede Menge Spaß. Sei es beim Disco-Abend mit DJ Finger Joe am Freitagabend, den Tanzabenden für alle Generationen mit Live-Musik am Samstag und Sonntag, dem bunten Kerwezug am Sonntag oder dem Frühschoppen und der Bachregatta am Kerwemontag.

Bis zum Wochenende soll sich ja auch das exzessive Sommerhoch wieder normalisiert haben, so dass es sich gut feiern lässt. Auch der Meerbach dürfte am Montag genug Wasser haben, damit für die Bachregatta das erforderliche Hochwasser erzeugt werden kann.

Man darf gespannt sein, welche kunstvollen Schiffe zu Wasser gelassen werden. Vom Zeller Rathaus über ein Trojanisches Pferd, ein U-Boot bis zum Casino und komplett ausgestatteter Freiterrasse mit Grill schwamm schon alles auf den Fluten des Meerbachs.

Bei den einen kommt es auf die „Schönheit“ an, bei den anderen auf die Zeit. Während für die „schönen“ Schiffe in aller Regel viel Zeit und Kraft benötigt wird, um die Brückenschikanen zu überwinden, sind die Schnellfahrer vor allem dabei gefordert, ihre Blechwanne über Wasser zu halten.

Moderator Hans-Peter Ott wird wieder seine Freude haben, die Regattateilnehmer mit entsprechenden Kommentaren zu begleiten. js