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Weinheim Neue und erfahrene Sterbe- und Trauerbegleiter kommen bei einem Workshop zusammen

Gestärkt sein, um Halt zu geben

Archivartikel

„Gemeinsam Hospizhilfe sein“ – das war die Botschaft des Workshops im evangelischen Gemeindehaus Großsachsen, den die ökumenische Hospizhilfe Weinheim-Neckar-Bergstraße vor Kurzem abhielt. „Ich hatte bisher wenige Gelegenheiten, den anderen Hospiz- und Trauerbegleitern näher zu kommen. Das hat sich heute geändert“, sagt Christiane Büscher, die eine von zehn Neuen im Team ist. Den Workshop leitete Doris Oelhof-Bollin, die Sozialpädagogin gab den 42 Teilnehmern Hilfestellung im gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernen. „Für uns ist es unverzichtbar, dass wir ein konkretes Bild von jedem unserer Mitarbeiter haben“, sagt die Koordinatorin Monika Leistikow.

„Nur so können wir nach den ersten Besuchen bei Menschen in der letzten Lebensphase einschätzen, welcher Mitarbeiter zu der Person und in das Umfeld passt“, ergänzt sie. Bei Supervisionsveranstaltungen, die acht Mal im Jahr verpflichtend stattfinden, tauschen sich die Begleiter in kleineren Gruppen untereinander aus. Auch sie sollen die eigenen Erfahrungen verarbeiten dürfen. Der gemeinsame Workshop aller Mitarbeiter gab nun darüber hinaus einen Einblick, wie die Koordinatoren, der Vorstand sowie Trauer- und Hospizbegleiter arbeiten und was sie beschäftigt.

Mit spielerischen Gruppenübungen versetzten sich die Teilnehmer in Situationen, bei der gegenseitige Rücksichtsname und Teamarbeit gefragt waren. „Die Aufgaben gestalteten sich so, dass sie sich auf unsere Arbeit übertragen lassen“, erklärt Leistikow. Denn die Begleiter müssen sich auf die Menschen und deren Familien einlassen, woraus sich immer wieder neue Herausforderungen ergeben. „Manchmal ist es nicht möglich, mit einem Sterbenden zu sprechen, weil seine Krankheit das nicht zulässt. Also müssen wir andere Kommunikationswege wählen“, sagt die Koordinatorin. Deshalb werden auch nonverbale Spiele gemacht. So lernen die Teilnehmer, wie man schwierige Situationen auch ohne Worte bewältigt.

Die ökumenische Hospizhilfe leistet nicht nur Unterstützung für Sterbende und deren Familien, sondern begleitet die Angehörigen über den Tod hinaus. „Wir bieten mit unserem Trauerkreis einen Raum für Menschen, die einen Verlust zu verarbeiten haben“, sagt Sabine von Nordheim. Denn Hospizarbeit ende nicht mit dem Tod, fügt sie hinzu. Oft haben es die Partner, Kinder oder auch Eltern von Verstorbenen schwer, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Gerade weil das Thema „Sterben und Trauer“ gesellschaftlich immer noch nicht ganz angekommen ist, weiß von Nordheim. „Oft sind auch Freunde und Bekannte von Hinterbliebenen unsicher, wie sich verhalten sollen“, sagt Leistikow. Die Trauerbegleiter helfen, mit dem Verlust zu leben und bieten einen uneingeschränkten Austausch an.

An den Kosten der Sterbebegleitung beteiligen sich die Krankenkassen, seit zwei Jahren auch die privaten Versicherer. Anders sieht das bei der Trauerbegleitung aus, die ebenso wichtig ist, aber bisher nur durch Spenden finanzierbar ist. Eine Aufgabe, der sich der im Frühjahr neu gewählte Vorstand wieder annimmt. Die Vereinsvorsitzenden zeigen sich dennoch optimistisch, dass die Arbeit der zehn Trauerbegleiter fortgeführt werden kann. „Dieser Vorstand ist besonders. Es herrscht eine offene Atmosphäre und Eitelkeiten bleiben außen vor. Wir stehen für den Dienst am Menschen“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Ulrich Abshagen. ppf