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Literatur Mitglieder ringen um Neuanfang bei Nobelpreis

Gremium lahmgelegt

Archivartikel

Eigentlich hätte es schon begonnen: Das Wetten, wer den Literaturnobelpreis bekommt. Denn am ersten oder zweiten Donnerstag im Oktober wird der wichtigste Literaturpreis der Welt normalerweise verkündet. In diesem Jahr aber wird es keinen Literaturnobelpreis geben.

An den Kandidaten liegt es nicht. Denn ihre Shortlist mit fünf Namen hatte die Jury dem Vernehmen nach schon zusammen. Das war im Frühjahr, bevor sich das so auf Würde bedachte Gremium selbst zerfleischte. Der größte Skandal seit der Gründung der Schwedischen Akademie 1786 beschädigte den Ruf.

Druck durch Arbeitsniederlegung

Zuerst der Vorwurf, Jean-Claude Arnault, der Ehemann von Akademiemitglied Katarina Frostenson, habe Frauen sexuell belästigt. Eine Untersuchung bestätigte „unakzeptables Verhalten in Form von unerwünschter Intimität“. Inzwischen sitzt Arnault in Untersuchungshaft. Das Paar soll sich zudem selbst Fördergelder zugeschanzt und die Namen von Nobelpreisträgern ausgeplaudert haben. Das kann angesichts der lebhaften Wettgemeinde durchaus lukrativ gewesen sein.

Namhafte Mitglieder legten die Arbeit nieder. Solange Kjell Espmark, Peter Englund und Sara Danius eine Beteiligung an Neuwahlen verweigern, können sie Druck auf verbliebene Mitglieder ausüben, die den Skandal kleinzureden versuchen. Die drei erklärten vage, „möglicherweise“ an wichtigeren Abstimmungen teilnehmen zu wollen.

Immerhin blieben die fünf Namen auf ihrer Frühjahrs-Shortlist geheim. Wer darauf steht, könnte noch wichtig werden, denn der Preis soll im kommenden Jahr nachgeholt werden. dpa