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Weinheim Kirchen und Privatleute beteiligen sich am an der europaweiten Aktion Friedensgeläut / Andacht auf dem Anetplatz in Hohensachsen

Heute erklingen zwei besondere Glocken

Archivartikel

„Friede sei ihr erst Geläute“ – zu zwei Weinheimer Glocken passt das Motto der europaweiten Aktion am heutigen Freitagabend besonders gut. Die eine hängt im Roten Turm, die andere in Wünschmichelbach. Schaut man sich deren Geschichte an, dann stehen beide Glocken – die große in der Innenstadt und die kleine im Odenwald – nicht nur symbolisch für den Frieden.

„Unsere Glocke entspricht der Friedensidee ganz besonders“, sagt Wolfgang Kumpf über das Exemplar im Roten Turm. Gegossen wurde sie 1918. In diesem Jahr endeten die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs – Europa konnte endlich auf einen Frieden hoffen. Nach ihrer Fertigstellung wurde die Glocke an der Dürreschule angebracht. Als eine von insgesamt drei Exemplaren läutete sie für die Turmuhr. „Nach dem Abriss der Dürreschule im Jahr 1972 wurden die Glocken nicht mehr gebraucht und verschenkt“, sagt Wolfgang Kumpf. Die größte erhielt Jakob Hohenadel, der Chef aller Weinheimer Schulen. Nach seinem Tod im Jahr 2013 fand die Glocke auf Initiative von Fritz Ziegler eine neue Heimat im Roten Turm. Seitdem hängt sie dort und wird nur zu besonderen Führungen im Turm geläutet. Ziegler höchstpersönlich wird die Glocke am Freitagabend bedienen.

Neben den zahlreichen Kirchenglocken in der ganzen Stadt ist aber noch eine weitere geschichtsträchtige Glocke zu hören und zwar in Wünschmichelbach. Horst Kober, Mitglied des katholischen Gemeindeteams Oberflockenbach/Rippenweier erklärt, warum: „1946 kamen viele Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland und aus dem ungarischen Elek auch in den Vorderen Odenwald und suchten Zuflucht. Viele wohnten in Wünschmichelbach. Da es dort weder eine katholische noch eine evangelische Kirche gab, kam in der Gemeinschaft der Wünschmichelbacher Heimatvertriebenen schon bald der Wunsch nach einem Glöckchen auf.“

Auf Initiative der damaligen Stiftungsmitglieder Georg Tremmel und Franz Dassler, die Nachbarn in Wünschmichelbach geworden waren, übergab Pfarrer Karl Urban aus Leutershausen im Oktober 1955 eine in Heidelberg gegossene Glocke an das Ehepaar Dassler anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit.

Läuten erfolgt elektrisch

Drei Männer, Franz Brandt, Franz Dassler und Georg Tremmel machten sich ans Werk. Die von Franz Brandt gefertigten Teile wurden gemeinsam zu einem eisernen Glockenturm auf dem Grundstück von Familie Dassler montiert. Bis zum Tod von Georg Tremmel 1998 läuteten die Nachbarn Tremmel und Dassler von Hand die Glocke an Sonn- und Feiertagen um 12 Uhr, sowie beim Tod eines Gemeindemitglieds.

„Heute muss man nicht mehr beschwerlich den Berghang zum Glockenturm hinaufsteigen und das Glöckchen von Hand läuten. Der Glockenturm wurde 1999 renoviert und das Läuten erfolgt seitdem elektrisch“, sagt Kober. Die Aufgabe des Läutens hat Familie Klemm übernommen. Noch heute erklingt die Glocke täglich am Mittag und am Abend im Bärsbacher Weg in Wünschmichelbach und – auf Wunsch – für einen Verstorbenen.

Auch die evangelische Kirche Hohensachsen beteiligt sich an der Aktion. Heute um 17.45 Uhr wird der Blockflötenkreis die Andacht auf dem Anetplatz eröffnen. Bei Regen findet diese in der evangelischen Kirche statt.

Das Motto „Friede sei ihr erst Geläute“ stammt aus Friedrich Schillers „Lied von der Glocke“. Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass in ganz Europa Glocken für den Frieden läuten. Der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschland, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz rufen zum gemeinsamen europäischen Glockengeläut auf – Beginn ist um 18 Uhr. vmr