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Sachbuch „Mit fremden Federn“ von Anett Kollmann

Hochstapler treffen Lügenbarone

Karl May war einer der berühmtesten Hochstapler aller Zeiten. „Old Shatterhand, das bin ich“, behauptete der Beststellerautor unverfroren und ließ sich in Westernkluft ablichten. Dabei kam er erst nach Amerika, als seine Bücher längst geschrieben waren. Schon viel früher hatte May sich wahlweise als Augenarzt oder Falschgeldfahnder getarnt.

Doch es gibt noch anmaßendere Hochstapler, erfahren wir aus Anett Kollmanns Buch „Mit fremden Federn“. Immer wieder tauchten falsche Kaiser und Prinzen auf, Goldmacher oder dreiste Heiratsschwindler. Die Geschichte der Hochstapelei ist schillernd, oft komisch und manchmal auch traurig. Manche schlüpften in falsche Identitäten, um Geld zu machen, für andere war der Bluff „subversive Gegenwaffe“, um einer bescheidenen Herkunft zu entrinnen. Doch wie die Autorin zeigt, braucht ein Hochstapler auch gewisse psychologische Veranlagungen. Im Zeitalter der Information und des Internets scheint die Kunst der Täuschung schwieriger geworden zu sein. Ausgestorben ist sie deshalb nicht.

Anett Kollmann: „Mit fremden Federn. Eine kleine Geschichte der Hochstapelei“, Hoffmann und Campe, Hamburg, 256 Seiten, 22 Euro