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Hopkins, Thompson und viele mehr

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„King Lear“: Hochkarätig besetzte Tragödie in Hochglanzoptik am 28. September bei Amazon zu sehen

Regisseur Richard Eyre musste auf Geheiß von Amazon und der BBC für die Verfilmung das Shakespeare- Stück „King Lear“, dessen Aufführung auf der Bühne mindestens drei Stunden dauert, auf unter zwei Stunden kürzen. „Heftig“, nannte Eyre im „Guardian“ die ihm gestellte Aufgabe, aber auch erheiternd - weil er „skrupellos“ kürzen durfte, um die Essenz des Stückes herauszufiltern: „eine monströse, tragische Geschichte einer Familie, die sich selbst zerstört“. Am Freitag, 28. September, feiert Richard Eyres 115 Minuten kurze Version der Tragödie nun seine Premiere bei Amazon. Mit einem namhaften Cast.

Sir Anthony Hopkins spielt den König Lear, der in dieser Fassung als eine Art Militärdiktator über ein modernes Großbritannien herrscht. Amtsmüde will der Monarch sein Königreich gerecht unter seinen drei Töchtern aufteilen. Doch während die älteren, Goneril (Emma Thompson) und Regan (Emily Watson), ihm wie gewünscht schmeicheln, sträubt sich Cordelia (Florence Pugh). Lear verbannt sie - und entfesselt damit einen blutigen Familienkonflikt.

Der uneheliche Sohn des königlichen Beraters Lord Gloucester, Edmund (John Macmillan), treibt einen Keil zwischen den Lord und seinen legitimen Erben Edgar (Andrew Scott).

Dass Richard Eyre das Stück, in einer alternativen Gegenwart ansiedelte, hatte vor allem optische Gründe: „Wenn ich es im 8. Jahrhundert vor Christus hätte spielen lassen, müssten alle Schauspieler Bärte tragen und am Ende würde alles nach ‘Planet der Affen’ aussehen“, erklärte er im „Guardian“. So spiegelt sich das kalte Licht hier nicht in Ritterrüstungen, sondern in Londoner Hochhausfassaden und statt altertümlicher Gewänder tragen Lears Töchter schicke Designer-Kostüme. Die Kamera-Einstellungen und Schnitte, nehmen dem Drama zudem das Theater-hafte. Die Dialoge jedoch beließ der Regisseur - von den Verkürzungen abgesehen - genau so, wie William Shakespeare sie um 1600 zu Papier brachte.

Um die Aufmerksamkeit der Zuschauer trotz der fremd klingenden 400 Jahre alten Sätzen hoch zu halten, bedarf es guter Schauspieler. Und fähigere als die, die Richard Eyre versammelte, kann man sich eigentlich nicht vorstellen.

So gut wie alle Schauspieler sind Shakespeare-gestählt. Allen voran Sir Anthony Hopkins, der den König Lear 1986/87 tatsächlich schon am National Theatre spielte. Man merkt, dass er die treibende Kraft dahinter war, das Stück zu verfilmen, so engagiert ist seine Darstellung. Doch seine Kollegen Emma Thompson, Jim Carter, Andrew Scott oder Florence Pugh stehen ihm in kaum etwas nach.

Die Zeitvorgabe lässt manche Charakterentwicklungen recht sprunghaft erscheinen und manchmal fehlt dem Publikum zu den Figurenentscheidungen der Hintergrund, wodurch die Handlung zuweilen überhastet wirkt. Aber beider Kürzung eines Drittels aus einem der komplexesten Dramen Shakespeares, muss manches verlorengehen. tsch