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TSG Hoffenheim Frauen Ralf Zwanziger aus Schwetzingen zu den Aussichten in der Bundesliga / Seit fast zwölf Jahren Leiter der weiblichen Abteilung

„Ich verspreche mir mehr Tore“

Das Dutzend ist fast voll. Im Dezember 2006 nahm Ralf Zwanziger seine Tätigkeit als Leiter für Frauen- und Mädchenfußball bei „Anpfiff ins Leben“ und der TSG 1899 Hoffenheim auf. Es begann eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte.

Im September startet Hoffenheim in sein sechstes Erstligajahr, die zweite Mannschaft hat sich für die neue eingleisige 2. Bundesliga qualifiziert. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der 45-Jährige aus Schwetzingen auf die kommende Saison und gibt einen Einblick in die stetige Entwicklung des Frauenfußballs.

Derzeit läuft die Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison. Was erwarten Sie sich vom sechsten Jahr in Deutschlands Eliteklasse?

Ralf Zwanziger: Das Team soll sich mannschaftlich und spielerisch weiterentwickeln und vor allem die Torgefahr verbessern. Ich erwarte mir mehr Feuer und mehr begeisternden Offensivfußball. Ich mache Erfolg nicht vom Tabellenplatz abhängig, vermutlich werden wir weder Meister noch werden wir absteigen. An die 30 Punkte können wir jede Saison herankommen.

Sie haben mit Tamar Dongus, Sophie Howard, Stephanie Breitner und Sharon Beck vier Leistungsträgerinnen verloren, mit Luana Bühler ist eine schweizerische Nationalspielerin dazugekommen, drei Spielerinnen (Annika Eberhardt, Jana Beuschlein und Johanna Kaiser) sind aus der „Zweiten“ aufgerückt. Was versprechen Sie sich von den Neuen?

Zwanziger: Beuschlein und Eberhardt waren die Top-Torjägerinnen der 2. Liga Süd, sie haben es auch drauf, in der 1. Liga Tore zu machen. Mit Johanna Kaiser, die bereits eine gute Entwicklung gemacht hat, und Luana Bühler, die schon über internationale Erfahrung verfügt, wollen wir die Abgänge in der Defensive kompensieren.

Gab es für die scheidenden Spielerinnen Ablösesummen?

Zwanziger: Nein, Ablösesummen im Frauenfußball sind nicht nur bei der TSG kein Geschäftsmodell, auch nicht in absehbarer Zeit. Die Spielerinnen wollen sich wegen Beruf oder Studium nicht länger binden, daher sind die Verträge eher kurz und es gibt häufig Wechsel zum Vertragsende.

Wie sehen Sie generell die Entwicklung im Frauenfußball, speziell in der Bundesliga?

Zwanziger: Wenn ich unser Beispiel nehme: Anfangs hab ich alles selbst gemacht (Organisation, Presse, Marketing). Mittlerweile haben wir neben einigen ehrenamtlichen auch hauptamtliche Mitarbeiter. Das fordern die DFB-Statuten auch. Alle zwölf Erstligisten sind heute besser aufgestellt als vor zehn Jahren. Der Liga-Sponsor Allianz geht in die fünfte Saison, seit dieser Spielzeit ist adidas Ballsponsor. Die Telekom gewährleistet, dass jede Woche ein Bundesligaspiel live zu sehen ist.

Und sportlich?

Zwanziger: Die Teams in der Liga sind enger zusammengerückt, die hohen Klatschen gibt es kaum noch. Auch Topteams wie Wolfsburg und Bayern müssen immer Vollgas geben, um die Spiele zu gewinnen.

Warum kommen so wenige Zuschauer zum Frauenfußball?

Zwanziger: Man wünscht sich natürlich immer mehr Zuschauer, aber bestimmte Faktoren können wir nicht beeinflussen, zum Beispiel den zerstückelten Spielplan. Außerdem haben wir viele Heimspiele in den Wintermonaten, da kommen natürlich weniger Zuschauer ins Stadion. Wir versuchen sehr viel, verschicken Einladungen und Freikarten an Vereine. Die Spielerinnen selbst sind sehr engagiert und besuchen Schulen und Kindergärten, weil gerade Familien mit Kindern gern zum Frauenfußball gehen. Unterstützt werden wir bei der Zuschauergewinnung von unseren Partnern Klaus Happes (adViva) und Jürgen Zimmermann (Allianz).

Ihre zweite Mannschaft ist zuletzt dreimal Meister der 2. Liga Süd geworden und spielt künftig in der neuen eingleisigen 2. Bundesliga. Wie ist da die Zielsetzung?

Zwanziger: In erster Linie wollen wir in der U 20 Spielerinnen für die Bundesliga. Auch wenn das Team im Schnitt gerade mal 18 Jahre jung ist, ist der Kader gut genug, um in der Liga sehr gut bestehen zu können.

Zwölf Jahre sind eine lange Zeit. Was motiviert Sie nach wie vor für diesen Job?

Zwanziger: Hier dreht sich nicht alles um Tabellenplätze wie in Wolfsburg oder München. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie die Spielerinnen das ganzheitliche Förderkonzept von Anpfiff ins Leben annehmen und sich neben dem sportlichen auch im schulischen oder im beruflichen Bereich weiterentwickeln. Bei uns herrscht eine familiäre Atmosphäre. Der Frauenfußball ist bei der TSG Hoffenheim anerkannt und wird unterstützt. Zudem fühle ich mich in der Region sehr wohl und bin hier längst heimisch geworden.

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