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Kein alter Zopf

Archivartikel

Melanie Breinich: Bundesliga und Oberliga

Ein deutliches Rascheln ist am anderen Ende der Telefonleitung zu hören. „Ich packe meine Tasche fürs Training“, erklärt Melanie Breinich die Geräusche im Hintergrund. Ihr Tagesablauf ist eng getaktet. Neben der 41-Stunden-Arbeitswoche beim Hauptzollamt Karlsruhe ist die Zollinspektorin mehrmals wöchentlich für die Flames in Sachen Handball unterwegs. 92 Kilometer beträgt die einfache Fahrstrecke von Karlsruhe, wo die 23-Jährige seit Anfang des Jahres wohnt, nach Bensheim.

Ihre Aufgabe bei der HSG ist klar: „Melli“ ist dritte Torfrau im Bundesliga-Kader und für Einsätze bei den Junior-Flames in der Oberliga vorgesehen. Bei den Flames würde sie zum Zuge kommen, wenn Jessica Kockler oder Helen van Beurden, die für die beiden Jobs im Kasten des Bundesliga-Teams gesetzt sind, ausfallen sollten.

Melanie, die über Erfahrungen aus der 3. Liga, zuletzt beim TSV Kandel, verfügt, begreift ihr Engagement bei der HSG als Chance, ihre sportlichen Grenzen auszutesten.

Sie will sich als Torhüterin weiterentwickeln und gleichzeitig herausfinden, ob sie in der Beletage des deutschen Frauenhandballs bestehen kann. „Wenn ich wissen will, ob ich in der Bundesliga mithalten kann, brauche ich im Training regelmäßig Bundesliga-Werferinnen.“ Wichtigen Input für ihre sportliche Entwicklung erhält sie von Torwart-Trainer Udo Bohneberg.

In der Vorbereitung trainierte sie sowohl bei den Flames als auch bei den Junior-Flames. Das Defensivsystem beider Teams muss sie beherrschen. „Das Zusammenspiel zwischen Torhüterin und Abwehr sollte funktionieren.“ In einigen Tests der Bundesliga-Truppe kam sie auf Einsatzzeiten. Gegen den Erstligisten Bad Wildungen stand sie 20 Minuten im Tor. „Das war was ganz anderes“, so Melanie: „Der Stress war deutlich größer als im Training.“

Dass sie zwischen Flames und Junior-Flames pendelt, ist kein Problem. Sie fühlt sich in beiden Gruppen wohl. Und sie ist begeistert von den Qualitäten der Junior-Flames. „Das sind erstklassig ausgebildete Handballerinnen.“

Dem jungen Ensemble von Trainerin Lisa Mößinger traut Melanie einiges zu. Eine vordere Platzierung sei realistisch. Zu einer erfolgreichen Oberliga-Spielzeit will die Keeperin einen wichtigen Beitrag leisten. „Ich will das Team durch meine Leistung pushen.“

Melanie Breinich ist die Flames-Spielerin mit dem längsten Anfahrtsweg – und sie ist die Flames-Spielerin mit den längsten Haaren. Die blonde Mähne geht über den gesamten Rücken und muss gebändigt werden. Das Flechten eines Zopfes ist für Melanie das Ritual vor jedem Spiel und vor jedem Training. „Das muss richtig ordentlich gemacht sein, es darf keine Strähne raushängen.“ Eric Horn