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Neues Buch Landrat Stefan Dallinger, Alt-Landesbischof Dr. Ulrich Fischer und Alt-Erzbischof Dr. Robert Zollitsch präsentieren Grundlagenwerk zur sakralen Kunst im Kreis

Kirchen als Kunstprojekte ihrer Zeit

Fast hätte man glauben können, man besuche eine Christmette oder einen Osterfestgottesdient, so gut gefüllt waren die evangelische Stadtkirche in Ladenburg und die katholische St.-Gallus-Kirche. Doch in den beiden benachbarten großen Kirchen der alten Römerstadt präsentierte Landrat Stefan Dallinger zusammen mit Landesbischof i. R. Dr. Ulrich Fischer und dem emeritierten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch in einer Doppelveranstaltung ein bundesweit relativ einmaliges Buchprojekt. „Sakrale Kunst im Rhein-Neckar-Kreis“ heißt das mit fast 1500 Fotos opulent bebilderte, 616 großformatige Seiten starke Grundlagenwerk, das alle 210 evangelischen und katholischen Kirchen sowie die Andachtsräume der kreiseigenen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen erfasst. Prof. Dr. Michael Gerhard Kaufmann auf der Walcker- und der Mönch-Orgel und Glockenexperte Kurt Kramer führten selten gehörte Stücke für Orgel und Glocken auf.

Das Buch, in dem 17 Autoren aus den verschiedensten Blickwinkeln das Zusammenwirken von Kunst und Kirche vom Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart beleuchten und über Geschichte, Architektur und Kunstschätze berichten, ist in harmonischer Zusammenarbeit mit den beiden Kirchen entstanden. „Ein Ökumeneprojekt“, wie Landrat Dallinger sagt, der besonders die hohe Qualität der Fotos von Dorothea Burkhardt hervorhob, die auf Bildschirmen gezeigt wurden.

Dass nicht das Trennende, sondern das Verbindende der Konfessionen im Mittelpunkt aller Bemühungen stehe, klang in den Reden von Dr. Zollitsch und Dr. Fischer an. Beide waren gerne nach Ladenburg gekommen, um ihre Verbundenheit mit der Region und dem gigantischen Unternehmen zu zeigen, das begonnen hatte, als beide noch im Amt gewesen waren und das nun „den beeindruckenden sakralen Kultur- und Kunstbestand weitgehend vollständig in einem einzigen Buch versammelt“.

Altäre aus Meßkirch und Gotha

Zollitsch verglich in seiner Rede in der evangelischen Stadtkirche zwei im 16. Jahrhundert entstandene Altäre, den Meßkircher Flügelaltar, der katholische Frömmigkeit in bilderreich volkstümlich farbenfroher Pracht dargestellt, und den „Gothaer Flügelaltar“. Dieser wurde für einen protestantischen Auftraggeber in Württemberg gefertigt und ist nicht weniger reich an Bildern, die sich auf biblische Szenen und Schriftzitate konzentrieren: „Gerade in ihrer Unterschiedenheit ergänzen sie sich. Sie verbindet das Bemühen, die Welt des christlichen Glaubens und die biblischen Geschichten für uns Menschen anschaulich zu machen und sie in die Gegenwart zu übersetzen“, so Zollitsch. Sie zeigten, dass das Gemeinsame unter den sich trennenden Konfessionen in der Kunst an vielen Orten weiterlebe. Dieses Verbindende in der Kunst lasse das Buch „Sakrale Kunst im Rhein-Neckar-Kreis“ ebenso plastisch aufscheinen. Wie leer, arm und banal wäre eine Welt ohne alle Kirchen und Kapellen, alle christlichen Kunstwerke, alle Kreuze, Plastiken und Bilder, fragte der Erzbischof. Den gewaltigen Reichtum, den beide Konfessionen hier anzubieten hätten, ihn aufzuzeigen und zu erschließen, sei bleibendes Verdienst der Herausgeber und Autoren.

Der Kontinent der Kirchtürme

Fischer verwies in der katholischen Kirche auf die Berechtigung des Satzes „Europa ist der Kontinent der Kirchtürme.“ Denn Kirchtürme prägten die europäische Landschaft auch in der Rhein-Neckar-Region. Aber dass es darüber hinaus noch Vieles in den Kirchen dieser Region zu entdecken gebe, werde durch die viele Details heraushebenden Fotografien von Dorothea Burkhardt deutlich. Und die sachkundigen Wortbeiträge der Autoren trügen dazu bei, das kulturelle Gedächtnis zu schärfen und zu stärken. „Denn was wäre unsere Kultur ohne die großen Schätze sakraler Kunst, die vor allem in unseren Kirchen bewahrt sind“, stellt der ehemalige Landesbischof fest.

Zuvor hatte Landrat Dallinger die Kirchen als „ein bestimmendes, verbindendes Element über viele Jahrhunderte hinweg“ bezeichnet, die heute, neben der Tradition, für Weltoffenheit stehen, was ebenso für den Rhein-Neckar-Kreis und die Kurpfalz gelte. In den Kirchengebäuden finde sich ein reiches historisch-künstlerisches Erbe aus allen Kunstepochen. Das Spektrum reiche von uralten Kirchenbauten und Klöstern bis zu modernsten Bauformen, von bildreichen mittelalterlichen Wandmalereien bis zu unglaublich farbigen Glasfenstern, von qualitätsvollen handgeschnitzten Statuen bis zu modernen Kunstwerken in und vor den Kirchen, die einerseits ein vielschichtiges Spiegelbild der historischen Kulturlandschaft seien, andererseits bestimmten viele zeitgenössische und moderne Arbeiten aus Architektur, Malerei und Bildhauerei deren Erscheinungsbild.

Umfassender Kunstkatalog

Im Blick auf die eigene Kulturarbeit des Kreises, die in vielen Veröffentlichungen dokumentiert ist, nannte er das nun erschienene Buch „Sakrale Kunst“ den bisher umfassendsten Kunstkatalog des Kreises: „Hier im größten Kunstprojekt im Rhein-Neckar-Kreis haben in mehr als 1600 Jahren viele Generationen von Menschen mitgearbeitet – zur höheren Ehre Gottes“.

Im Buch selbst gebe es viel zu entdecken, lud der Landrat alle Kunstinteressierten ein, sich den sechs, eng ineinandergreifenden thematischen Blöcke zu widmen. Den ersten und umfangreichsten hat der renommierte Kunsthistoriker Professor Hans Gercke verfasst, der bei der Vorstellung anhand der Ladenburger Kirchen die Intention des Buches erläuterte. Von ihm stammt neben der strukturell-analytischen Darstellung „Die Kirche im Dorf“ ein ausführlicher kunsthistorischer Überblick über alle Kirchen im Kreis.

Im zweiten Teil behandeln die Lobbacher Ehrenbürgerin Doris Ebert, Berno Müller und die Kunsthistorikerin Dr. Maria Lucia Weigel einzelne kunst- und kirchenbauhistorische Aspekte. Anschließend widmet sich der dritte Komplex den Fragen der Bewahrung, der Erhaltung sowie der zukünftigen Entwicklung und Planung von Kirchenbauten. Hier berichten die verantwortlichen Bauplaner der evangelischen und katholischen Kirchenbehörden, Horst Wein und Dr. Werner Wolf-Holzäpfel, ebenso aus ihrer praktischen Arbeit wie die Restauratoren Karin und Raymond Bunz sowie Andreas Wolf und Bettina Rohrseitz.

Ein Beitrag über die Ausgestaltung kreiseigener Andachtsräume in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen des Kreises bildet mit den Ausführungen der schon genannten zeitgenössischen Künstler unserer Region den vierten Block. Die Künstler schreiben über ihre Auseinandersetzung und ihren Umgang mit sakraler Kunst und stellen exemplarisch eigene Projekte vor.

In einem reich bebilderten fünften Abschnitt ergänzt und vertieft Berno Müller, ähnlich einem Rundgang durch eine Kirche, das Dargestellte. Die beschriebenen Beispiele charakteristischer Ausstattungsmerkmale sollen helfen, den Blick für die verschiedenen Kunststile, die theologische Bedeutung und die damit verbundenen liturgischen Funktionen zu schärfen. Die Beschreibungen von herausragenden Orgeln durch den erzbischöflichen Orgelinspektor Professor Dr. Michael Gerhard Kaufmann und die Ausführungen von Glockenexperte Kurt Kramer über wichtige Kirchenglocken beschließen diesen fünften Teil.

Als dokumentarischer Anhang findet sich ein kompaktes, von Nils Schwarz erstelltes „Verzeichnis aller Kirchen“ in den 54 Städten und Gemeinden. Es bietet neben den wichtigsten Daten zudem Hinweise auf weiterführende Literatur.

Landrat Stefan Dallinger dankte abschließend den beiden Herausgebern des Buchs, Kreisarchivar Dr. Jörg Kreutz und Berno Müller, sowie allen ihren Kollegen für ihr Engagement, diese umfassende kunsthistorisch-theologische Betrachtung entstehen zu lassen. rad