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Weinheim Gemeinderat diskutiert über die Zukunft der städtischen Mietshäuser in der Mannheimer Straße / Entscheidung über Haus 22/24 frühestens im Jahr 2022

Klare Mehrheit für Sanierung von Haus 14-20

Der Weinheimer Gemeinderat hat beschlossen, das größere der beiden städtischen Mietshäuser (14-20) in der Mannheimer Straße bis Herbst 2022 abschnittsweise zu sanieren. Erst danach soll eine Entscheidung über Sanierung oder Neubau des Nachbargebäudes (22/24) getroffen werden. Beide Gebäude – mit zusammen 41 Wohnungen – zeitnah zu sanieren, war weder für die Verwaltung noch für den Gemeinderat eine Option, weil die Stadt nicht über ausreichend freie Wohnungen verfügt, um die Mieter anderswo unterzubringen.

Am Ende gaben wohl weniger die harten Fakten den Ausschlag, sondern vielmehr der Wunsch, das Stadtbild in der Mannheimer Straße zu erhalten, und die Hoffnung, im Rahmen des Sanierungsgebiets „Westlich Hauptbahnhof“ höhere Zuschüsse zu bekommen.

Damit folgte die Mehrheit dem Vorschlag der Stadtverwaltung. Lediglich die Freien Wähler (FW) und die Weinheimer Liste (WL) wollten das Gebäude 14-20 lieber abreißen und neu errichten lassen – entsprechend der Empfehlung des Ingenieurbüros „aenergen“, das im Auftrag der Stadt die Machbarkeitsstudie noch einmal um weitere Kostenschätzungen ergänzt hatte.

Wie berichtet, rechnet man bei Haus 14-20 mit Neubaukosten von 6,2 Millionen Euro beziehungsweise mit Sanierungskosten in Höhe von 5,3 Millionen Euro. Bei Haus 22/24 wären es demnach 4,0 Millionen Euro für einen Neubau und 3,0 Millionen Euro für eine Sanierung. Allerdings, so die Einschränkung des Ingenieurbüros, seien Abweichungen von plus/minus 25 Prozent bei den Kostenschätzungen nicht auszuschließen. Das machte die Entscheidung natürlich auch nicht leichter.

Wie Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner zu Beginn der Diskussion erklärte, seien alle Varianten grundsätzlich machbar. Er neige zu einer Sanierung der Häuser, da schließlich auch beim Bau eines Gebäudes ein erheblicher Energieaufwand erforderlich wäre. Hinzu kommt, dass die Bausubstanz der in den 1920er-Jahren errichteten Häuser ordentlich ist. Gleichwohl besteht am Sanierungsbedarf kein Zweifel: Den Häusern fehlt eine Wärmedämmung, ferner müssen Heizung, Elektro- und Sanitärtechnik dringend erneuert werden.

FW und WL für Neubau

Die CDU sprach sich mit Blick auf „ein Stück Weinheimer Entwicklungsgeschichte“ dafür aus, das Gebäude 14-20 zu erhalten, so Fraktionsvorsitzender Holger Haring. Dafür nehme man in Kauf, dass ein barrierefreier Ausbau und eine Verbesserung der Stellplatzsituation an dieser Stelle nicht möglich seien. Auch Constantin Görtz (SPD) warb für eine Sanierung. Die Wohnungszuschnitte seien gar nicht schlecht. Abgesehen davon befürchte er, dass ein Abriss deutlich teurer werden könnte als prognostiziert, da hier enorme Höhenunterschiede zum Gehweg abgefangen werden müssten.

Auch Dr. Andreas Marg (GAL), Dr. Wolfgang Wetzel (FDP) und Dr. Carsten Labudda (Linke) sprachen sich für die Sanierung von Haus 14-20 aus, um das Stadtbild zu erhalten.

Zu einer anderen Einschätzung kamen die Freien Wähler: Angesichts der Schwankungsbreite bei den Kostenschätzungen könnte es am Ende darauf hinauslaufen, dass eine Sanierung genauso teuer werde wie ein Neubau, der gerade hinsichtlich Barrierefreiheit, Stellplätzen und Heizkosten für die Mieter deutliche Vorteile hätte. Auch für das Stadtbild wäre ein Erhalt dieser „Mietskasernen“ eher kein Gewinn, fand FW-Fraktionsvorsitzender Dr. Günter Bäro. Die Nachteile einer Sanierung von Haus 14-20 führten auch bei der Weinheimer Liste zur Ablehnung des Beschlussantrages. Wie Karl Bär erklärte, mache die Bausubstanz von Haus 22/24 insgesamt den besseren Eindruck.

Was die Entscheidung für die Mieter bedeutet, will die Stadtverwaltung zeitnah bei einer Informationsveranstaltung mit den Betroffenen klären, versprach Bürgermeister Fetzner.

Dabei sei man auch gerne zur Zusammenarbeit mit dem Mieterverein bereit, der den Blick vor allem auf sozial verträgliche Mieten richtet. Die Stadt hatte bereits im November erklärt, dass man derzeit für Wohnungen nach einer Sanierung sechs Euro pro Quadratmeter berechne. Auf jeden Fall orientiere man sich an den „angemessenen Unterkunftskosten“, die vom Jobcenter übernommen werden.

Derzeit ist geplant, die Sanierung von Haus 14-20, in dem sich 26 Wohnungen befinden, in zwei Abschnitten durchzuführen. Im ersten Bauabschnitt wären die Wohnungen an den Treppenhäusern 14 und 16 an der Reihe; die Mieter müssten dazu vorher ausziehen, wobei die Stadtverwaltung sich um andere städtische Wohnungen bemühen will. Nach Abschluss der ersten Sanierungsphase könnten dann die Mieter aus dem zweiten Gebäudeteil (Treppenhäuser 18 und 20) in die sanierten Wohnungen umziehen. pro