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Sachbuch Otfried Höffe über „Die hohe Kunst des Alterns“

Laufen, Lernen, Lieben, Lachen

Es ist es nicht so? – Fast alle wollen zwar älter werden und erst recht nicht jung sterben, die Konsequenz daraus, alt zu sein, findet aber auch nicht viel Anklang in der an Jugend und Leistungsfähigkeit orientierten Gesellschaft. Dabei könnte es so schön sein, das Alter, „friedlich und heiter“, wie es in Friedrich Hölderlins Gedicht „Abendphantasie“ heißt. Ob eine auf Fragen der Lebensführung und -kunst spezialisierte Philosophie hier weiterhelfen kann?

Die „gewonnenen Jahre“

Der zum Erfolgsautor avancierte Wilhelm Schmid hat es in seinem schmalen Band „Gelassenheit“ mit eher heiter gestimmten Überlegungen zu zeigen versucht. Der renommierte Fachphilosoph Otfried Höffe folgt ihm nun mit weiter ausgeführten, differenzierter argumentierenden Gedanken nach. Er plädiert für einen unvoreingenommenen Blick, widerspricht negativen Altersbildern und ermuntert dazu, das Alter als „gewonnene Jahre“ anzunehmen. Griffig und lebenspraktisch empfiehlt er eine Lebensführung, die den „vier L“ größtmöglichen Raum gibt, dem Laufen, Lernen, Lieben und Lachen, und zwar im buchstäblichen wie abgeleiteten Sinn, woraus sich ein gutes Reservoir an körperlichem, geistigem, sozialem und emotionalem Kapitel ergebe.

Aktiv bleiben

Immer wieder gewinnt der Philosoph seine Argumente in Auseinandersetzung mit der Geistesgeschichte. Die gerade heute brisanten Themen finden aber ebenso Berücksichtigung, sei es die Situation in Alten- und Pflegeheimen oder die Vorzüge einer Patientenverfügung. Alte Menschen seien in die Gesellschaft besser zu integrieren, fordert Höffe, das Alter sei nicht allein als Phase der Muße zu begreifen, die mit Aktivität und (sinnvoller) Arbeit nichts mehr zu tun habe. Dann könne auch der Tod mit weniger Schrecken erwartet werden. Um ein glückliches, würdevolles Altern zu ermöglichen, empfiehlt Höffe eine erweiterte Form der ethischen goldenen Regel: „Was du als Kind nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem Älteren zu!“

Höffe wirft auch die moralische Frage nach dem Suizid im Alter und der Rolle von Ärzten auf. Auch er ist überzeugt, würde die Palliativmedizin konsequent genutzt, ließen sich viele Suizide vermeiden. Seine Leitidee ist auch hier ein an Würde orientiertes Leben, das es bis zum Ende zu achten gelte. Ein Patentrezept für ein ideales friedliches und heiteres Alter kann dieses Buch nicht geben, aber eine lohnende Lektüre bietet es allemal – und dies nicht nur für Menschen am Rande des Alters.