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Sachbuch Yuval Noah Harari begleitet Digitalisierung kritisch

Lektionen für die Jetzt-Zeit

Als erstes hat Yuval Noah Harari die Vergangenheit des Menschen beleuchtet. Sein Werk „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ wurde international zum Bestseller. Der Professor aus Israel ist seither ein „Weltstar der Wissenschaft“ („Stern“). Jetzt nimmt sich der Historiker die Gegenwart vor. In „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ analysiert Harari die von vielen als unübersichtlich empfundene Jetzt-Zeit. Der 42-Jährige formuliert eingängig und humorvoll. Er beschreibt unsere Welt und ihre großen Fragen zugleich mit Sachkenntnis und einem starken Willen zur Meinung, die oft auch Widerspruch erzeugt.

Wer seine früheren Bücher gelesen hat, wird manche These schon kennen. Trotzdem lohnt es auch diesmal, sich auf Hararis Überlegungen einzulassen. Zum Beispiel, wenn er den Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung beschreibt. Der Mensch könnte, so schreibt er, künftig seine Aufgabe als Produzent verlieren, aber auch die Rolle als Konsument sei in Gefahr. „Wir können nicht warten, bis die Krise voll zum Ausbruch kommt, bevor wir nach Antworten suchen“, mahnt er. Und betrachtet ein Hilfsmodell, über das schon heftig diskutiert wird: das bedingungslose Grundeinkommen. Der Historiker nimmt dazu eine globale Perspektive ein. Es gehe nicht um die reichen Länder, sondern um die Frage, wie die Grundversorgung von Milliarden Menschen in armen Staaten zu erreichen sei, wenn ihre Arbeit wegbrechen sollte. Auch wenn er keine fertigen Antworten liefert, steht am Ende ein zentraler Appell: sich selbst und die Welt genau wahrzunehmen. (Yuval Noah Harari: „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“. C.H. Beck, München, 459 S., 24,95 Euro).