Startseite Fallback für unzugeordnet und Altdaten bzw Archiv

Letzte Zugabe einer heiß verehrten Serie

Archivartikel

„Nashville“: FOX HD zeigt die sechste und finale Staffel der Country-Seifenoper mit Format

Jetzt geht also im Bluebird Cafe zu Nashville doch noch das Licht aus. Zumindest sind die Scheinwerfer der Seriencrew erloschen, die im legendären Musik-Club seit 2011 regelmäßig gedreht hat. Nach 123 Episoden, Beinahe-Aus und Senderwechsel infolge einer Fan-Petition endete beim US-Spartenkanal CMT in diesem Sommer die Country-Music-Soap „Nashville“. Seit 31. Juli sind (dienstags, 21 Uhr) die 16 Folgen der sechsten und finalen Staffel auch im deutschen Pay-TV zu sehen, jeweils in Doppelprogrammierung. Bei den gängigen Download-Plattformen sind sie einzeln oder komplett erhältlich.

Die neuen Episoden tragen sich mit der Last einer klaffenden Leerstelle. Denn das Herz dieser heiß verehrten Dramaserie wurde zur Hälfte der fünften Staffel gleichsam bei lebendigem Leib herausoperiert.

Dabei hatte Autorin und Oscar-Preisträgerin Callie Khouri (1992, für das Drehbuch zu „Thelma & Louise“) einst bekräftigt: Ohne die Zusage von Connie Britton hätte sie die Idee einer Serie aus dem Country-Mekka der USA überhaupt nicht umgesetzt. Als das TV-Netzwerk ABC „Nashville“ nach der vierten Staffel an CMT weiterreichte, war in der Hauptdarstellerin aber ein Entschluss gereift. Connie Britton stieg aus nicht näher definierten persönlichen Gründen aus. Der über zwei Episoden zelebrierte Unfalltod der von ihr verkörperten Country-Ikone Rayna James gehört wohl zum tränenziehendsten, was es im Serienfernsehen zu sehen gab.

Der Schatten dieser Sängerin, Label-Chefin und Mutter lastet spürbar auf dem verbliebenen Personal. Raynas Lebenspartner Deacon Claybourne (Charles Esten) trägt noch immer schwer an der Trauer. Wird die begabte Maddie (Lennon Stella) in die Fußstapfen ihrer verstorbenen Mutter treten? Wird die Pop-Autokratin Juliette Barnes (Hayden Panettiere) ihren 19. Nervenzusammenbruch überwinden? Werden Gunnar Scott (Sam Palladio) und Scarlett O’Connor (Clare Bowen) ihre On-Off-Dramödie bis zum Serienende ausreizen?

Schließlich wurden hier stets auf ausnehmend differenzierte Weise die großen sozialen Fragen Amerikas aufgeworfen. Bei „Nashville“ ging es um Rassismus und die Homophobie der Country-Szene. Es ging um Stalking, Depressionen, Alkohol- und Gefallsucht, auch um geduldeten Missbrauch im Showbiz – wohlgemerkt Jahre vor dem Aufkommen der „MeToo“-Debatte. Es ging um Kunst und Geschäft und den Widerspruch dazwischen. Es ging um Youtube-Phänomene und um das heilige Erbe von Merle Haggard, Tammy Wynette und Johnny Cash. Könner wie Gillian Welch, Lucinda Williams und Elvis Costello schrieben die Songs der Serie, die gesungen wurden von den Darstellern selbst.

An guten Tagen Weltklasse

Dass es dazwischen ein bisschen häufiger als statistisch nachvollziehbar zu Autounfällen, Flugzeugabstürzen, Krebserkrankungen, Alkoholrückfällen und ungeklärten Vaterschaften kam - geschenkt! Der Form nach war „Nashville“ natürlich nichts weiter als eine Fernsehseifenoper. Aber in den besten Momenten eine von Weltklasseformat. tsch