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Literatur „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ von Antti Tuomainen besticht mit schwarzem Humor / Gekonnte Mischung aus Krimi und Schelmenroman

Makaber und zum Schreien komisch

Archivartikel

Die Botschaft trifft Jaako wie ein Peitschenschlag. Sein Arzt eröffnet ihm unvermittelt, dass er bald sterben wird. Er ist höchstwahrscheinlich das Opfer einer Vergiftung geworden. Kann das Schicksal noch viel grausamer sein? Ja, das kann es. Und das zeigt sich unter anderem, als Jaako nach Hause kommt, um bei seiner Ehefrau Trost zu suchen: Er trifft sie in flagranti beim leidenschaftlichen Liebesspiel mit Petri an, einem Angestellten ihrer gemeinsamen Firma.

Doch damit nicht genug, muss Jaako auch noch erfahren, dass er geschäftlich gefährliche Konkurrenz bekommen hat. Sein florierender Matsutake-Pilzhandel, den er zusammen mit seiner Frau betreibt, scheint ernsthaft bedroht. Seine Konkurrenten sind gewieft und skrupellos. Jaako, arg gebeutelt, adipös und eigentlich etwas lethargisch, rüstet sich beherzt für den Kampf an allen Fronten.

Oftmals düsterer Hintergrund

Antti Tuomainen ist einer der originellsten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller der Gegenwart. Seine Bücher haben oft einen düsteren Hintergrund.

Etwa der Roman „Der Heiler“, der 2013 auch in deutscher Sprache erschien, ein packender Endzeit-Thriller um einen unheimlichen Messias, der Helsinki in Angst und Schrecken versetzt. Im Vergleich dazu ist das neue Buch „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ trotz seines beunruhigenden Auftaktes eine geradezu schreiend komische Lektüre. Die Geschichte ist skurril, atemlos und voll schwarzen Humors, irgendetwas zwischen Krimi und Schelmenroman.

Zunächst einmal scheint Jaako, der Mann mit dem Mondgesicht und dem „fetten rosa Bauch“ das ideale Opfer zu sein. Über seine letzten Tage hat sich der 37-Jährige noch nie Gedanken gemacht. Wie auch: „Es gibt keine To-do-Liste. Der Tod kommt ja nur einmal im Leben.“ Doch das drohende Ende setzt bei ihm ungeahnte Energien frei. Wer hat ihn vergiftet? Wer zieht Nutzen aus seinem baldigen Ableben? Sein Verdacht fällt sofort auf seine treulose Frau und ihren jugendlichen Liebhaber.

Das Misstrauen wächst

Zumal Jaako auch sonst einiges höchst seltsam vorkommt. Warum bekommen einige seiner Angestellten ausgerechnet jetzt verlockende Angebote von der Konkurrenz, einer zwielichtigen Firma, die nie zuvor im Matsutake-Handel tätig war? Hat Jaakos Frau auch dabei ihre Finger im Spiel?

Bei seiner Spurensuche schlägt Jaako ungewöhnliche Wege ein, er gerät in ebenso bizarre wie knifflige Situationen, die außerordentliche Maßnahmen erfordern. Zumal seine Widersacher auch nicht gerade zimperlich sind: Der Geschäftsführer der Konkurrenzfirma hat sich in seinem früheren Leben als Muttermörder einen Namen gemacht.

Jaakos unorthodoxes Vorgehen und rätselhafte Geschehnisse erwecken bald den Argwohn der Polizei. Doch viel Feind, viel Ehr. Zudem hat Jaako als Todgeweihter ja nichts mehr zu verlieren. Mit großer Gelassenheit kann er zusehen, wie sich die Ereignisse immer weiter verwirren und zuspitzen.

Abgründig und unterhaltsam

„Die letzten Meter bis zum Friedhof“ ist ein ebenso abgründiger wie unterhaltsamer Roman. Wer Sinn für schrägen, trockenen, geradezu britischen Humor hat, ist hier bestens aufgehoben. Ins Deutsche übersetzten den Text übrigens der bekannte Krimischriftsteller Jan Costin Wagner und seine finnische Frau Niina Katariina. Antti Tuomainen sind viele neue Leser zu wünschen.