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Ludwigshafen Rettungstaucher der Berufsfeuerwehr zeigen am Willersinnweiher ihre Fähigkeiten

„Man weiß nie, was man entdeckt“

Archivartikel

Zahlreiche Badegäste haben am Samstag am Strand des Willersinnweihers eine Übung der sechs Rettungstaucher der Ludwigshafener Berufsfeuerwehr miterlebt. Im Bereich des Freibades konnten die Zuschauer sehen, wie ein Mann im See zum vermeintlichen Badeopfer wurde, das nicht mehr schwimmen konnte. Feuerwehrströmungsretter Benjamin Wenz fuhr mit einem Wasserschlitten, dem sogenannten Seabob Rescue, kraftvoll und lautlos wie ein Fisch zu dem vermeintlichen Opfer, hakte ihn an den Füßen ein und schleppte ihn sicher zurück an Land.

Der Wasserschlitten ist neben dem Gerätewagen eine weitere Neuanschaffung der Berufsfeuerwehr. „Ich habe diesen Mai meine zweijährige berufsbegleitende Taucher- und Strömungsretterausbildung absolviert“, erzählte der 26-jährige Feuerwehrmann Benjamin Wenz. Bisher habe er noch keinen echten Einsatz gehabt. „Die Übungen bereiten uns jedoch auf den Ernstfall vor. Natürlich habe ich Spaß im Wasser. Der Seabob Rescue ist ein wunderbares Rettungsmittel. An den beiden Griffen sind die Knöpfe für den Jet-Antrieb.“ Damit könne er schnell und ohne Kraftanstrengung 200 bis 300 Meter weit im Wasser zu den Opfern fahren.

Lenkbarer Torpedo

Seine Ausrüstung besteht aus einem speziellen Strömungsretteranzug und Schuhen, einer Weste mit Messer, Karabiner, Gurt, Wurfleinenbeutel und Helm mit Lampe. „Ursprünglich war der Seabob ein Luxusspielzeug für Jachtbesitzer. In Zusammenarbeit mit der Firma Cuyago aus Stuttgart ist daraus nun ein sehr gutes Rettungsmittel geworden, das speziell für die Wasserrettung weiterentwickelt wurde“, erklärte Johannes Hug, Leiter des Tauchwesens der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen.

Der Wasserschlitten sieht aus wie ein lenkbarer Torpedo, wiegt 35 Kilogramm und ist auf dem Wasser rund 20 Stundenkilometer und unter Wasser 15 Stundenkilometer schnell. Damit kann man an der Wasseroberfläche fahren und in die Tiefe tauchen. Strömungsretter würden immer dann gebraucht, wenn eine Person an der Wasseroberfläche zu sehen und in Not geraten ist, erklärte Hug.

Doch auch die Taucher sorgten für große Augen. Schon die schwere Ausrüstung mit dem Trockentaucheranzug, der Vollgesichtsmaske, den beiden Sauerstoffflaschen sowie dem Tauchertelefon und der Kamera war sehr beeindruckend. „Ich war 20 Minuten auf 13 Metern Tiefe unter Wasser. Ab zehn Metern Tiefe wird es im Willersinnweiher dunkel bis schwarz. Es gibt keine Sicht und ich musste mich nur tastend fortbewegen. Daher war ich auf die Signalleine und den Signalmann angewiesen“, erzählte Ralf Trump. Der 26-jährige Berufsfeuerwehrmann absolvierte im Mai ebenfalls die Strömungs- und Taucherausbildung. Neben der Signalleine gebe es eine weitere Kontaktmöglichkeit: das Tauchertelefon und die Kamera. „Tauchen ist spannend. Man weiß nie, was man entdeckt“, so Trump.

„Wir müssen jährlich zehn bis 15 Tauchgänge absolvieren. Die Aktion ist Teil des diesjährigen Veranstaltungsprogramms zum 100-jährigen Bestehen der Ludwigshafener Berufsfeuerwehr“, erläuterte Uwe Regenauer, einer der insgesamt sechs Lehrtaucher der Berufsfeuerwehr.

Bilder aus Weiher beeindrucken

Die Zuschauer zeigten sich schwer beeindruckt: „Ich finde es gut, wenn die Feuerwehr präsentiert, was sie alles kann“, meinte Georg Hofmann (35) aus Ludwigshafen. „Gut ist, dass die Öffentlichkeit erleben kann, was die Feuerwehrleute im Ernstfall alles leisten. Besonders toll finde ich, dass sie mit dem Telefon miteinander sprechen können. Aber auch die übertragenen Bilder aus dem Weiher auf den Bildschirm waren beeindruckend.“ Sven Fouquet (32) aus Ludwigshafen ergänzte: „Die Übung war super und sehr lehrreich. Ich bin mir sicher, dass die Berufsfeuerwehr in Ludwigshafen sehr gut ausgestattet ist.“

Die Berufsfeuerwehr hat insgesamt 29 Taucher (davon sechs Lehrtaucher), 38 Bootsführer sowie 51 Strömungsretter. Am Samstag, 14. Juli, sind die Taucher erneut im Freibad zu Gast, um ihre Fähigkeiten zu präsentieren.