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Weinheim Josef Kast, ehemaliger Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit, malt seit 18 Jahren / Vernissage am Sonntag nach dem Gottesdienst

Mit Bildern die Seele ansprechen

Im Kreuzgang des Pfarrhauses der katholischen St.-Laurentius-Gemeinde ist es still. Josef Kast spricht ruhig und mit Bedacht über Gemälde an den Wänden. Auf einem brennt der Dornbusch, auf einem anderen strahlt die Ostersonne, auf einem dritten liegen Seerosen im schimmernden Wasser des Teichs vom Hermannshof. Etwas aus der Reihe fällt ein abstrakt wirkendes Bild auf einer Staffelei. „Der Judas“ steht auf einem Schild. Bei näherem Betrachten erkennt man ein Gesicht, die eine Seite leuchtend gelb, die andere Weiß, dazwischen blutrote Stirn und Nasenpartie. Auch Mund und Augen sind rotgetränkt, und den Kopf umschwirren blaue Pinselstriche, die dem Portrait Dynamik verleihen.

Josef Kast öffnet die Tür zu einem weiteren breiten Flur. An seinem Ende hängen auf beiden Seiten Bilderserien. Links die Darstellung aller Apostel, rechts ein Kreuzweg mit 14 Stationen, dessen Bilder ein kleines Ikonenformat haben. „Das Format führte zu einer besonders konzentrierten Darstellung und Malweise“, erklärt der einstige Pfarrer der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg, der in diesem Jahr eine besonders produktive Phase mit Pinsel und Acrylfarben durchlebt hat. Beide Serien sind 2018 entstanden. Apostel Petrus lächelt jovial und mit fester Mine dem Betrachter entgegen. Andreas ist ein bärtiger Fischer, dessen Gesicht Schlichtheit und Naturverbundenheit ausdrückt.

„Gemalte Bilder reagieren wie eine Persönlichkeit“, wird Josef Kast mit leiser Stimme philosophisch. „Sie sprechen die Seele an, weil sie auch das Seelische des Malers in sich haben.“ Es war die Seele, die der Pfarrer besonders pflegte, als er im Jahr 2000 zu malen begann und die Malerei für ihn zu einer Art Therapie wurde. Seitdem greift er immer wieder zum Pinsel, und als ihm zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2007 Malstunden bei Maler Heiko Hofmann in Lützelsachsen geschenkt wurden, konnte er seine künstlerische Leidenschaft weiterentwickeln.

„Es gibt Bilder, da weiß ich von Anfang an, was ich will“, sagt Josef Kast und zeigt als Beispiel auf das Bild mit dem brennenden Dornbusch. Bei rein abstrakten Bildern kann er es dagegen nach Herzenslust fließen lassen. Das Werk „Aufbruch“ aus dem Jahr 2012 liefert dafür ein Beispiel.

Kollege als Unterstützer

Josef Kast brachte 2004 vom Urlaub an der Nordsee einen „Dünenzauber“ auf Leinwand mit – eines der seltenen Aquarelle der Ausstellung, auf deren Eröffnung am Sonntag er sich freut. Sein befreundeter Pfarrerkollege Karl Wunsch unterstützte ihn bei den Vorbereitungen, fotografierte die Gemälde ab und sorgte für die Beschilderungen der Gemälde. Auch Dr. Tonja Deister half bei Konzeption und beim Aufbau der Präsentation.

Es ist zu spüren, wie eng Josef Kast mit den Bildern verbunden ist, zumal sie viel von seinem Glauben und seiner Persönlichkeit enthalten, und so ist es gewiss, dass der ehemalige Pfarrer – er wa r vor allem für die Sachsendörfer zuständig – auch künftig malend kreativ sein wird.

„Zum 50. Priesterjubiläum im Mai wurden mir Farben und einige Leinwände geschenkt. Da bin ich bestens versorgt“, sagt er und lächelt.