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Literatur Ex-US-Präsident Bill Clinton liefert Schriftsteller James Patterson für seinen Thriller „The President Is Missing“ interessante Hintergründe aus dem Politikbetrieb

Mit Fachwissen aus dem Weißen Haus

Das Weiße Haus in Washington als Symbol der westlichen Demokratie ist immer wieder auch zum Mittelpunkt von Romanen und Spielfilmen geworden, in denen über die Mechanismen der Macht spekuliert wurde, die die gesamte Menschheit betreffen können.

Der amerikanische Erfolgsautor James Patterson hat nun einen besonderen Zugang zum Weißen Haus als Handlungsort und Thema gefunden. Er hat den früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton als Co-Autoren für einen Politthriller gewonnen. Clinton, von 1993 bis 2001 Hausherr im Weißen Haus, konnte bestimmt viele Fakten zu Details der Abläufe und Umstände der Regierungsarbeit aus eigener Erfahrung beisteuern und so dem Buch zusätzliche Substanz verleihen.

Welchen Beitrag Clinton zur Romanhandlung geleistet hat oder welche Passagen er selbst geschrieben haben mag, lässt sich nicht sagen. „The President Is Missing“ ist ein klassischer Politthriller mit einem als sehr sympathisch und kompetent dargestellten Staatschef, der in einer krassen Ausnahmesituation versucht, das Land auf eigene Faust vor einem verheerenden Anschlag zu bewahren.

Der Roman beginnt gleich mitten im Politikbetrieb. Präsident Jonathan Duncan bereitet sich auf eine Befragung im Parlament vor. Die Opposition will ihn angreifen, weil er angeblich durch sein Eingreifen verhindert hat, dass ein international gesuchter Terrorist gefasst wird und dabei auch noch ein amerikanischer Soldat getötet wurde.

Präsident Duncan hadert mit seinen Beratern, ob er sich überhaupt auf diese Befragung und damit auf die Machtmechanismen in Washington einlassen soll. Er könnte sich aus der Affäre ziehen, auch wenn dies einen Schatten auf seine Amtsführung werfen würde.

Während sich in diesem Handlungsstrang eine Staatskrise anbahnen könnte, hat der Präsident ein ganz anderes, noch viel dramatischeres Problem im Kopf. Duncan ist überzeugt, dass den USA ein Cyberangriff droht, der schrecklicher ist als alles, was irgendwo bisher geschehen ist. Seine Informationen sind so geheim, dass er noch nicht einmal seine engsten Berater einweihen mag. Schließlich sieht er nur die Möglichkeit, die Krise auf eigene Faust anzugehen, auch wenn das sämtlichen Gepflogenheiten des Amtes widerspricht.

Regierungschef ergreift die Flucht

Also setzt sich der Präsident ab. Niemand weiß, wo er ist, und somit ist eine Art politischer Notstand erreicht: Der Präsident ist verschwunden, die politische Zentrale der Landes leer. James Patterson, einer der erfahrensten und erfolgreichsten amerikanischen Krimiautoren, erzählt die Geschichte routiniert und mit zahlreichen Wendungen und Spannungsmomenten.

Die politischen Parteien der USA sind in Aufruhr, internationale Krisen häufen sich, und der amerikanische Präsident versucht im Alleingang, die Welt zu retten. Das Ganze ist gut konstruiert und liest sich unterhaltsam. Natürlich ist „The President Is Missing“ patriotisch. Aber zahlreiche Details und Hinweise zwischen den Zeilen machen deutlich, dass sich der intelligente und umsichtige Präsident Jonathan Duncan wohltuend vom gegenwärtigen Bewohner des Weißen Hauses unterscheidet.