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Moralisches Dilemma in Norwegens Wäldern

Archivartikel

„Der Grenzgänger“: Neue Sky-Serie überzeugt trotz Längen in der Tradition skandinavischer Krimis

Eigentlich ist Skandinavien berühmt für spektakuläre Natur, endlose, fast menschenleere Weiten und als Heimat von freundlichen, wenn auch in der Regel etwas wortkargen Bewohnern. Doch nicht nur Fans der vielen Henning-Mankell-, Per-Wahlöö- oder Stieg-Larsson-Romane wissen, dass Skandinavien auch die Brutstätte von (fiktionalen) Verbrechen, Serienmördern sowie abgrundtief finsteren Charakteren auf beiden Seiten von Recht und Gesetz ist. Aus Norwegen stammt die neue Sky-Serie „Der Grenzgänger“ mit dem in Deutschland geborenen Hauptdarsteller Tobias Santelmann als Ermittler, der es mit einem abgründigen, verworrenen Fall zu tun hat und in ein moralisches Dilemma gerät.

Eigentlich hatte sich der kernige Osloer Ermittler Nikolai Andreassen (Santelmann, 37) selbst so etwas wie eine Auszeit verordnet, nachdem er lange in eine besonders nervenaufreibende Jagd auf einen Mafiaboss verwickelt war. Kurzentschlossen nimmt er Urlaub, fährt in seine Heimatregion an der schwedischen Grenze, um dort etwas Kraft für die nächsten Polizeiarbeiten und für einen anstehenden brisanten Gerichtstermin zu tanken. Doch kaum angekommen, holt ihn das Grauen schon wieder ein: Im Wald wird die Leiche eines Bekannten gefunden. Der Mann baumelt am Seil. Alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Nikolai ist nicht überzeugt. Er wittert eine vertuschte Gewalttat.

Bruder und Vater im Spiel?

Tatsächlich finden sich am Kopf des Toten Verletzungen, die ihm vor seinem Ableben zugefügt wurden. Was den Fall pikant und für den Kommissar aus der Hauptstadt zur nervenaufreibenden Belastungsprobe macht: Ausgerechnet sein Bruder Lars, ein einfacher Polizist und alleinerziehender Vater von zwei Kindern, scheint in den Fall verwickelt zu sein. Er wollte sich mit dem späteren Mordopfer in einer Hütte in den Wäldern treffen. Noch ungemütlicher wird es für Nikolai, als er auch seinen Vater in der Nähe des Tatorts sieht. Nach und nach legt er Tiefenschichten der Gewalttat frei - und gerät dabei an die eigenen Grenzen. Es geht um die Frage von Loyalität - und um Gewissensentscheidungen: Hält er zur Polizei oder zu seiner eigenen Familie? Bald schon wird der Ermittler selbst zu einem Gejagten. Immerhin klemmt sich die Undercover-Ermittlerin Anniken (Ellen Dorrit Petersen) an seine Seite und wühlt viel Staub auf.

In acht Folgen wirft „Der Grenzgänger“ wuchtige Fragen von Recht, Moral und Prinzipientreue auf. Stilistisch ähnelt die Serie vielen hochwertigen, eher bedächtig erzählten Düster-Krimis der „Kommissar Wallander“-Güteklasse. Warum der Stoff mit seinen innerfamiliären und kollegialen Verwicklungen, der von Ferne an den ehemaligen US-Independent-Hit „Fargo“ erinnert, der bekanntlich selbst zur Serie wurde, auf acht Folgen ausgewalzt werden musste, erschließt sich allerdings nicht ganz. Man hätte die Handlung auch straffen – und nach rund 90 Minuten Herumtappen im düsteren Hinterland endlich wieder das Licht einschalten – können.

Pilotfolge kostenlos

Die neue Sky-Serie lief vor ihrer Deutschland-Premiere schon im norwegischen Fernsehen. Die acht „Der Grenzgänger“-Folgen sind ab Freitag, 6. April, um 20.15 Uhr, jeweils in Doppelfolgen auf dem Sender Sky Atlantic HD zu sehen. Außerdem kann man sie sich über die Angebote Sky On Demand, Sky Go und Sky Ticket ansehen. Die Pilotfolge steht seit 6. April außerdem für jedermann im Stream auf www.sky.de/grenzgänger zur Verfügung. tsch