Startseite Fallback für unzugeordnet und Altdaten bzw Archiv

Weinheim Mit dem Mandelring Quartett gastiert eines der besten Ensembles am Samstag beim Kammermusikverein

Musik unter dem Zeichen „Vollendung“

Noch berauscht vom hervorragend besuchten und qualitativ außergewöhnlichen Jubiläumskonzert, das vom Minguet Quartett und Pianist Matthias Kirschnereit Ende Januar geboten wurde, können sich der Kammermusikverein und die Klassikfreunde schon auf einen weiteren Höhepunkt des Konzertschaffens in Weinheim freuen.

Am kommenden Samstag, 17. Februar gastiert um 20 Uhr das im Jahr 1983 gegründete Mandelring Quartett mit Sebastian Schmidt (Violine), Nanette Schmidt (Violine), Andreas Willwohl (Viola) und Bernhard Schmidt (Violoncello) in der Aula der Hans-Freudenberg-Schule. Laut Internetseite des Quartetts wird es vom Musikmagazin „Fono Forum“ zu den sechs besten Streichquartetten der Welt gezählt. Das Konzert steht unter dem Motto „Vollendung“.

Dieser Begriff darf durchaus in doppelter Bedeutung verstanden werden, enthält das Programm doch Werke, die für Vollendungen des Lebenswerkes ihrer Komponisten stehen, aber selbst als vollendete Schöpfungen des Genres Streichquartett gelten können. Dabei steigt das Mandelring Quartett mit einem unvollendeten Werk Joseph Haydns ins Programm ein, mit den beiden Sätzen des Streichquartetts d-Moll op. 103. „Hin ist all meine Kraft“, sagte Haydn, der Vater des Streichquartetts und Schöpfer von fast 70 Quartetten, um 1803 über das unvollendete Werk, das musikalisch keineswegs kraftlos wirkt.

Obwohl der taube und kranke Ludwig van Beethoven im Juli 1826 auch noch viel Ärger und Sorgen mit seinem Neffen Karl hatte, war er so voller kompositorischer Inspiration, dass ihm das Streichquartett F-Dur, op. 135 aus der Feder floss. Berühmt ist an diesem Werk, dem letzten Streichquartett Beethovens, vor allem das mit „Der schwer gefasste Entschluss“ überschriebene Finale, das die existenziell unausweichliche Frage „Muss es sein?“ enthält, die mit einem zuversichtlichen „Es muss sein“ beantwortet wird. Nach so viel Tragödie wird sich das Konzertpublikum am Samstag in Weinheim eine Pause verdient haben und im Jubiläumsjahr nochmal auf das 100-jährige Bestehen des Kammermusikvereins anstoßen können.

Nach der Pause erwartet die Zuhörer ein umfangreiches Werk, Franz Schuberts Streichquartett G-Dur, D 887, das der Komponist zwischen 20. und 30. Juni 1826 schrieb. Es enthält Musik von schlichter Liedhaftigkeit, aber auch von abgrundtiefer Melancholie, wobei im Finale ein wilder Galopp von Sechsachteltakten das blinde Verständnis der vier Mandelring-Musiker fordert. Das Tongeschlecht wechselt ständig zwischen Dur und Moll. Dass das Stück exakt ein Jahr nach Beethovens Tod uraufgeführt wurde, war kein Zufall, sondern auch ein Zeichen für Vollendung. dra